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Velotour Schweiz - Asien 2006/07

Alleine und aus eigener Kraft um die halbe Welt

Die Idee
Velofahren ist für mich mehr als bloss ein Sport. Das Velo ist für mich seit klein auf das Transportmittel schlechthin, sei es im Alltag oder in der Freizeit. Velofahren vereint fast alles, was mir wichtig ist: Die Freude an der Bewegung, der Aufenthalt im Freien und das Erleben der zurückgelegten Strecke, wie auch Unabhängigkeit und die Freiheit der Routenwahl.

Als im Sommer 04 zwei meiner Freunde für ein paar Jahre nach Bangkok zogen stand für mich bald fest, dass ich sie dort einmal besuchen würde. So entstand irgendwann die Idee, den Weg nach Thailand über Land und aus eigener Kraft zurückzulegen. Eine Reise um die halbe Welt also und damit ideal, um endlich die wirklichen Ausmasse unseres Planeten zu erfahren.

Die Reise
Auf meiner Reise habe ich:
• 19 verschiedene Länder bereist
• 313 Tage auf dem Velo verbracht, insgesamt 1557 Stunden oder 65 Tage nonstop
• über 25'000 Kilometer und 175'000 Höhenmeter zurückgelegt
• während den 18 Monaten oder 540 Tagen unterwegs 245 mal draussen übernachtet
• über 40 Platten repariert und fast ein Dutzend Reifen gewechselt
 

 
Winterthur Schweiz

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Schon über ein Jahr ist seit meiner Rückkehr vergangen, und in der Zwischenzeit hat sich für mich Vieles verändert...

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Im Februar 06 starte ich an einem eisig kalten Sonntag im Februar zu meinem lange geplanten Abenteuer. Trotz aller Vorbereitung und Erfahrung mit Velotouren fühlt sich alles neu und ungewohnt an, als ich mich über tief verschneite Alpenpässe ins Südtirol und nach Italien hinunter warm fahre. Bald finde ich einen kraftsparenden Rhythmus und auch die Beschäftigungen neben dem Velofahren werden schnell zur Routine: Einkaufen, Mahlzeiten kochen, Lagerplatz finden und Zelt aufstellen, nach dem Weg fragen, Wasser auffüllen… Das anfänglich traumhafte Wetter verschlechtert sich bald und die folgenden Wochen durch den Balkan werde ich begleitet von viel Schneeregen und unangenehmen Verhältnissen. Erst kurz vor der Türkei setzt sich der Frühling schliesslich durch und ich geniesse die Sonnenstrahlen und der Anblick der ersten Blumen und blühenden Bäume am Wegrand umso mehr.

Velotouren bedeutet langsam unterwegs sein

 


Mit der Türkei habe ich auch das letzte Land erreicht, wo ich problemlos und ohne Visum einreisen kann und von nun an werden Gänge zu den Botschaften und verschiedensten anderen Amtsstellen bald zur Gewohnheit. In Istanbul verabschiede ich mich auch vom europäischen Kontinent und lege zusammen mit ein paar Gleichgesinnten die ersten Kilometer auf asiatischem Boden zurück.
Die folgenden islamischen Länder wie Iran und die zentralasiatischen Republiken übertreffen bei Weitem alle meine Vorstellungen. Schon in der Türkei wurde ich ständig zu einem Gläschen Tee eingeladen, doch nun übertreffen sich die Menschen in ihrer Gastfreundschaft richtiggehend und ich fühle mich überall als willkommener Gast. Durch die vielen Kontakte erhalte ich schöne Einblicke ins Alltagsleben und die Kultur der Leute in diesen für mich bisher sehr fremden Ländern.

Mittlerweile ist es Sommer geworden und bei der Fahrt am Rande der Wüste Dasht-e-Kavir im Iran und der Durchquerung der Garagum Tiefebene in Turkmenistan erlebe ich was es heisst, Temperaturen von gegen 50° C oder gar einem Sandsturm zu trotzen. Immerhin kann ich so ein kleines Bisschen die Schwierigkeiten der Kamelkarawanen zu Zeiten Marco Polos und der Seidenstrasse nachvollziehen, während ich in den ehemals wichtigen Handelsstädten Buchara und Samarkand und später in Kashgar selbst noch einen Hauch von Seidenstrassenromantik erlebe.

Nach einem Vorgeschmack auf dem Pamir Hochplateau geht es bald in die Höhen der westtibetischen Hochebene hinauf und zum ersten Mal auf der Reise gelange ich nahe an meine Grenzen. Extreme Höhe, schlechte Pisten, Einsamkeit, Kälte und ein äusserst knappes Angebot an Essen lassen die Fahrt durch diese lebensfeindliche Region zu einer harten Probe werden. Doch meine Strapazen werden auch belohnt mit unvergesslichen Ausblicken auf die Bergriesen der Himalaja Kette und einem unvergleichlichen Gefühl beim Erreichen der Stadt Lhasa.

Erst im Südwesten von China in der Provinz Yunnan lässt die Höhe der Berge langsam nach, nicht aber deren Häufigkeit. Bis weit nach Laos hinein zieht sich dieses unzugängliche und noch überraschend ursprüngliche Hügelland weiter. Im Süden Chinas fahre ich oft durch traditionelle Dörfer, wo die Frauen bunte Alltagstrachten tragen und auch in Laos scheinen viele Menschen noch auf ursprüngliche aber auch sehr einfache Weise zu leben. Nicht selten beobachte ich Familien, wie sie morgens vor dem Haus um ein Feuer sitzen und dabei Mäuse und Schlangen an einem Spiess über die Glut halten… laotisches Frühstück!

Weihnachten und Silvester feiere ich zusammen mit ein paar anderen Velotourern, wenn auch in der tropischen Umgebung die passende Stimmung nicht recht aufkommen mag. Danach ist es bloss noch ein Katzensprung bis nach Bangkok, und ich lege zum Schluss einen richtigen Endspurt durch das eintönige Flachland in der weiteren Umgebung der Metropole ein. Gross ist die Freude als ich schliesslich mein Ziel erreiche, worauf ich nun ein ganzes Jahr hingearbeitet habe und das mir in schwierigen Situationen oft zur Motivation geholfen hat. So gönne ich mir im ruhig gelegenen Haus meiner Freunde erst einmal eine ausgedehnte Pause, während ich mich gleichzeitig schon um die Weiterreise kümmere. Schon länger habe ich entschieden, dass ich von Bangkok noch nicht in die Schweiz zurückkehren sondern meine Reise noch ein wenig fortsetzen möchte.

Ein paar Wochen später sitze ich schon wieder auf dem Velo auf dem Weg in den Süden von Thailand und weiter nach Malaysien und Indonesien. Hier nehme ich die Fahrt nun viel gemütlicher als zuvor und verweile oft an einem der zahlreichen traumhaften Strände oder verbringe ein paar Tage mit Ausflügen zu Fuss im Dschungel, wo es immer viele Tiere und eigenartige Pflanzen zu entdecken gibt. Beim Schnorcheln erkunde ich gerne die farbenprächtige Unterwasserwelt und erst kurz vor dem Ende der Reise lasse ich mich dazu überzeugen, den Tauchkurs noch zu absolvieren.

Während dieser Zeit komme ich plötzlich an den Punkt wo ich merke, dass es Zeit wird meine Reise zu beenden und nach Hause zurück zu kehren. Dieser Entscheid kommt recht kurzfristig und ist noch dadurch beschleunigt worden, dass ich eine Weile krank bin und wegen Verdachts auf eine unschöne Tropenkrankheit für einen genaueren Untersuch nach Bangkok fliegen will. Gleichzeitig ist auch meine Motivation für die Weiterreise stark gesunken und so kehre ich ganz nach Hause zurück.

 

 
     
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