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Schliesslich bereiteten
wir alles für die erste Fahrt zur Blockhütte am Tozitna
River vor. Die Schlitten wurden mit Ausrüstung, Essen und
Hundefutter beladen, und so hatten die angespannten Hunde
schwer zu ziehen als wir uns auf den Weg machten.
Die Fahrt mit den
beladenen Schlitten war viel anstrengender und mühsamer als
wir es uns von den ersten Ausfahrten ums Dorf gewohnt waren.
Stan führte den kleinen Konvoi an mit einem Gespann von etwa
fünfzehn Hunden, während wir mit je sechs Hundestärken
seiner Spur folgten. Es hatte in den vergangenen Tagen
verhältnismässig viel geschneit, und da diesen Winter noch
niemand zum Tozi hinaus gefahren war, sanken die Tiere tief
ein und kamen nur langsam voran. Als der kurze Tag in das
fahle Dämmerlicht des früh anbrechenden Abends überging,
hatten wir erst zwölf Meilen, also gerade knapp 20 km
geschafft. Mehr hatten wir uns für diesen Tag jedoch auch
nicht vorgenommen, denn auf jenem Hügel befand sich eine
winzige Hütte, in der wir Unterschlupf für die Nacht fanden.
Zuerst gab es jedoch noch viel zu erledigen, denn erst
mussten die Hunde ausgespannt und angekettet werden, und
jedes Tier bekam eine Unterlage aus frischen Tannenzweigen
gegen die Bodenkälte. Anschliessend sägten wir Brennholz für
den Ofen und schmelzten eimerweise Schnee, um den Hunden
eine warme Mahlzeit zubereiten zu können. Erst als diese
versorgt waren, konnten wir es uns in der mittlerweile
aufgeheizten Hütte bequem machen und ebenfalls einen Topf
Essen aufwärmen.
Auf diese Weise waren
wir vier Tage unterwegs, bis wir schliesslich die Hütten
erreichten, in denen Stan früher jahrelang gewohnt hatte. Er
war in den siebziger Jahren von Boston nach Alaska gekommen
und hatte dort vom Staat ein Stück Land erhalten unter der
Bedingung, dass er sich dort ein Haus baut und eine Zeit
lang an dem Ort wohnt. So lebte er gemeinsam mit seiner
Partnerin über zehn Jahre unter härtesten Bedingungen weit
ab von der Zivilisation und brachte sich dabei einen grossen
Teil seines Wissens selbst bei, bevor er sich dann später in
Tanana niederliess.
Nun freuten wir uns
darauf, auch einmal von diesem Leben in der Wildnis kosten
zu dürfen und richteten uns in unserer Hütte wohnlich ein.
Bald gewöhnten wir uns an das einfache Leben und lernten,
wie wir uns in der subarktischen Wildnis zu verhalten
hatten, teilweise erst nachdem wir am eigenen Leibe erfahren
hatten, wie fatal sich winzige Fehler auswirken können.
Der übliche Tagesablauf
bestand aus notwendigen Arbeiten wie Wasser vom Fluss holen,
Holz sägen und hacken, Hunde versorgen und fast täglich mit
ihnen ausfahren. Daneben hatten wir aber auch Zeit für
ausgedehnte Schneeschuhtouren in die nahen Berge, liessen
uns auf dem Snowboard hinter den Hunden herziehen
('Dogboarding'), versuchten uns im Fallen stellen oder
statteten andern Leuten weiter unten am Fluss einen Besuch
ab. Zudem musste etwa alle drei Wochen einer von beiden
zurück nach Tanana fahren um mehr Proviant und vor allem
Hundefutter zu holen. Wir hatten uns darauf geeinigt, dass
immer nur einer von uns fährt, da wir nur 15 Hunde besassen
und eine so lange Fahrt mit einem grossen Team, also 10 - 12
Tieren, viel einfacher und schneller war.
Zu den eindrücklichsten
Erlebnissen gehörten ganz klar die Schlittenfahrten in
sternenklaren Nächten, während über uns am Himmel die
Nordlichter tanzten, nebst vielen weiteren tiefen Eindrücken
in dieser einsamen und beinahe unberührten Natur. Nicht zu
letzt ist auch die Beziehung zu unseren Hunden zu erwähnen,
die sich im Laufe der Zeit entwickelte. Bewunderung für die
körperlichen Leistungen die sie erbringen, aber auch die
Intelligenz besonders der Leithunde, die das Team anführen
und beispielsweise die Schlittenspur auch im tiefen
Neuschnee immer zuverlässig fanden. Bewunderung aber auch
für ihre unbändige Lust am Laufen und der offensichtlichen
Freude am unterwegs Sein, die sogar nach einem langen und
anstrengenden Tag auf dem Trail kaum nachzulassen schien.
Als dann gegen Frühling
der Schnee immer weniger wurde, räumten wir schliesslich die
Hütte und verschlossen sie bärensicher für den kommenden
Sommer. Bis zum nächsten Winter würde mit grösster
Wahrscheinlichkeit kein Mensch dort draussen vorbeikommen,
denn das Wandern in dieser feuchten Tundralandschaft ist
enorm mühsam und der Winter daher die bevorzugte Reisezeit.
Wir mussten aufpassen,
nicht zu spät loszufahren und dann möglicherweise schon
schneefreie Abschnitte des Trails vorzufinden, doch
versuchten wir auch unseren Aufbruch so weit wie möglich
hinaus zu schieben. So fuhren wir schon bald ein letztes Mal
den mittlerweile vertrauten Weg zurück ins Dorf, was dank
den guten Trails mittlerweile nur noch einen knappen Tag in
Anspruch nahm.
Lange blieben wir nicht
im Dorf, nur gerade so viel Zeit wie nötig war um die Hunde
und das Material wieder an Stan abzugeben und uns für die
nächste Tour bereit zu machen...
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