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Trip zum Nanga Parbat

   
     

Auszüge aus meinem Reisetagebuch


So, 18.6.00 Rama

"Hast du Lust, morgen zum Nanga Parbat zu fahren?" fragte mich Roberto, ein Traveller aus dem Guest House in Gilgit gestern Abend, und schon sind wir unterwegs (stell dir vor, zu Hause fragt dich jemand dasselbe!).

Wenn heute auch erst Abstecher zu Rama Lake, da Jeeptransport nach Astor schwierig ist. Gefällt uns aber bisher ganz gut, trotz einigen Umwegen und ungeniessbaren Spaghetti. Dafür Lagerfeuer und Schneegipfel die im Mondlicht glänzen...


Mo, 19.6.00 Astor

Nachdem wir heute noch länger unseren wunderschön gelegenen Lagerplatz in einem Pinienwäldchen nahe dem See genossen hatten, entschieden wir erst gegen 16.00 Uhr, nach Astor zurück zu kehren. Es sah schwer nach Regen aus, dafür war die Temperatur mal sehr angenehm.

Zurück im Dorf mussten wir noch beim Polizeiposten vorbei gehen für die übliche Registrierung, und erkundeten uns anschliessend nochmals nach den aktuellen Transportmöglichkeiten.

Morgen sollten wir per Jeep zumindest bis Ropal gelangen, von wo aus es zu Fuss nur noch einige Stunden bis Tarashing sind. Und dann geht es endlich los zu Nanga Parbat!


Di, 20.6.00 Tarashing (~2800 müM)

So, nun sind wir wenigstens in Tarashing. Schlussendlich früher und bequemer als erwartet, auch wenn es ein wenig mehr kostete.

Am Morgen waren wir relativ früh auf, um den acht Uhr - Jeep zu erwischen. Ziemlich bald mussten wir aber feststellen, dass auch heute wieder kaum ein Fahrzeug nach T. fahren würde. Wir fragten weiter umher und erfuhren schliesslich, dass möglicherweise am Mittag ein Jeep dorthin zurückkehren würde. Also gingen wir zurück ins Hotel und legten uns nochmals hin, als wir knapp 2 h später vom Manager aufgeschreckt wurden. Mit ihm kam ein Tour Operator, der seinen Jeep nach T. schicken musste um Leute abzuholen und uns natürlich gerne mitnahm. Erst als wir den Preis auf Rs. 300 herunter handeln konnten, willigten wir schliesslich ein, denn so war es wenigstens sicher, dass wir von Astor wegkamen.

Die Fahrt über eine stellenweise üble 'Strasse' dauerte gerade knapp 2 h und endete in einem kleinen verstreuten Dorf mit hübschen Steinhäusern. Die Aussicht von hier auf die umliegenden Gipfel muss grossartig sein, doch momentan erkennt man wegen den Wolken nicht sehr viel. Nicht weit hinter dem Dorf liegt eine riesige Moräne, und dahinter erkennt man steile Gletscher und Felswände. Doch leider ist es heute regnerisch und erstaunlich kühl, was aber auch wieder mal angenehm ist. Vor allem weiss man wieder, warum man all die warmen Kleider mit sich herumschleppt!

Den Rest des Tages und die kommende Nacht werden wir hier in einem der beiden Hotels verbringen, da es heute noch ein paar Dinge wie Zelt mieten, Foodeinkauf, Routenplanung, usw. zu erledigen gibt. Morgen geht es dann los, und ich kann es kaum erwarten, endlich diesen Berg zu sehen!


Do, 22.6.00 Unterhalb Nanga Parbat (= 'nackter Berg')

Welche Überraschung heute beim Aufstehen: Endlich freie Sicht auf den unverhüllten Nanga Parbat! Sehr eindrücklicher Anblick, anders, extremer als all die andern Berge zuvor. Hoffe nun bloss, dass es nicht der einzige Anblick bleiben wird, denn schon wieder ziehen tiefe Wolken auf und beginnen ihn zu verhüllen.

Gestern war überhaupt nichts bzw. bloss die untere Hälfte zu sehen. Den ganzen Tag über was es regnerisch und dementsprechend kühl, doch zum Wandern ganz angenehm. Es war schon gegen Mittag, als wir endlich loszogen, denn wir hatten es nicht sehr eilig und mussten noch einige Dinge wie Brot, Zelt, etc. auftreiben.

Die Wanderung war relativ easy und führte lange das Tal hinauf. Nach ca. 5 h entdeckten wir ein ideales Plätzchen kurz vor dem Herligkoffer Base Camp und entschieden, die Nacht da zu verbringen, denn die schweren Rucksäcke hatten uns ein wenig zu schaffen gemacht. Als erstes mussten wir die unzähligen Löcher im Zelt reparieren, bevor wir etwas kochten und unsere Sachen ins Trockene retten konnten. Immerhin regnete es selten heftig, dafür ziemlich andauernd.

Jetzt geniessen wir noch die letzten Blicke auf den Gipfel, wobei man hier nie weiss, wie sich das Wetter entwickelt (ändert extrem schnell). Gelegentlich können wir einen spektakulären Lawinenabgang beobachten oder hören zumindest das bedrohliche Grollen. Später werden wir noch etwas weiter ziehen zum Camp in Latobah, um noch 1-2 weitere Nächte am Fuss dieses Giganten zu verbringen. Schon eigenartiges Gefühl, hier am Nanga Parbat zu stehen, als wäre es das alltäglichste Ding!


Später: Latobah (~3600 müM)

Die Wanderung über den Bazhin Gletscher war ziemlich aufregend und spektakulär, da überall steile Eiswände aufragten. Das Basecamp zuvor (Herligkoffer) war verlassen und nur ein wenig Abfall und einige Zeltplätze machten deutlich, dass es sich nicht um irgendeine Alpweide handelte.

Auf der gegenüberliegenden Moräne angekommen, trauten wir unseren Augen kaum. Unter uns erstreckte sich eine überraschend grosse Ebene, von einem glasklaren Bach durchzogen und auf der anderen Seite von einem tosenden Fluss gesäumt. Ein paar vereinzelte Kühe und Pferde weideten auf der Wiese, und in einer Ecke drängte sich eine winzige Siedlung.

Das Wetter was wieder sehr wechselhaft, bloss NP blieb hartnäckig von dicken Wolken eingehüllt. Erst gegen Abend begannen sie sich zu lichten und schliesslich hob sich der Schleier ganz, so dass wir nochmals einige eindrückliche Ansichten dieses eindrücklichen Gipfels geniessen können, kombiniert mit einer traumhaften Umgebung. Ich freue mich schon auf die morgige Tour zum Shaigiri-Camp hinauf, denn das Tal wird zunehmend spektakulärer.

Auf dem Berg scheint viel Neuschnee zu liegen, denn wir konnten heute mindestens ein Dutzend donnernde Lawinenabgänge beobachten.

Jetzt hoffen wir bloss noch, dass das Wetter morgen etwas besser ist, damit wir unseren Freund etwas ausgiebiger bestaunen können.


Sa, 24.6.00 Astor

Gestern: Frühes Erwachen und traumhafter Anblick von NP bei Sonnenaufgang nach frostiger Nacht. Auch unser Campingplatz war 1A, mit grossem Lagerfeuer, da ausnahmsweise mal viel Holz vorhanden war.

Gegen Mittag richtig angenehme Wanderung über den Gletscher und die tiefgrünen Weiden/Felder zurück nach Tarashing, da Robertos Knie nicht in Ordnung war. Doch schliesslich hatten wir gesehen, was wir sehen wollten, und zurück im Hotel erfreuten wir uns am guten Essen und einem Eimer warmen Wasser zum Waschen.

Heute: Eigentlich wollten wir um 8.00 Uhr den regulären Jeep nach Astor nehmen, doch der Manager empfahl uns, ins nächste Dorf hinunter zu wandern, da dort zwei Jeeps warten sollten. Dort angekommen erfuhren wir, dass diese schon losgefahren waren, bekamen dafür eine Fahrt im Traktoranhänger angeboten. Natürlich nutzten wir die Gelegenheit, um ein Stück weiter zu kommen, doch schon ein paar km weiter blieb der Traktor mit Achsbruch liegen! So blieb uns nichts anderes übrig als die Rucksäcke wieder zu schultern und zu Fuss zu gehen. Erst nach über einer Stunde in der glühenden Hitze holte uns schliesslich ein Jeep ein und wir sprangen auf. Die Fahrt war staubig und nicht sehr komfortabel (da stehend), doch besser als zu Fuss zu gehen. Es war gerade Mittag, als wir schliesslich Astor erreichten, doch wir waren nach allem was wir erlebt hatten, froh überhaupt angekommen zu sein. Zudem hatten wir hier eh nicht sehr viel zu tun als Kleider waschen, rasieren und uns um die Weiterfahrt zu kümmern. Ich versuche morgen einen Jeep richtung Deosai Plains zu erwischen, während Roberto langsam nach Islamabad zurückkehren wird, da sein Rückflug in einer Woche geht.



 

   
   
   
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