Zum letzten mal melde ich mich mit einer
Schilderung unserer Reise, die
in ein paar wenigen Tagen zu Ende sein wird. Am kommenden
Samstag fliegen
Martina und ich in die Schweiz zurueck und so finden wir
vielleicht schon
bald eine Gelegenheit, uns wieder mal zu sehen.
Nach dem letzten Bericht aus Alaska blieben uns noch
ungefaehr zwei Wochen,
die wir nochmals groesstenteils mit Wandern verbrachten.
Diesmal reisten
wir zur Kenai Peninsula hinunter, einer Halbinsel suedlich
von Anchorage.
Diese Gegend gilt als eine der Schoensten und
Sehenswertesten in ganz Alaska,
und auch wir waren wirklich beeindruckt davon. Die
Landschaft ist sehr gruen
und die Vegetation durch die Naehe zum Meer (und
entsprechend mehr Niederschlaegen)
viel ueppiger als im Landesinnern. Die meist sehr steilen
Berghaenge sind
weit hinauf dicht bewachsen, mit teilweise schier
undurchdringlichem Gebuesch,
aber auch Farnen und Graesern aller Art.
Unsere einwoechige Tour war recht abwechslungsreich. Wir
ueberquerten einige
Paesse, folgten haeufig glasklaren Baechen voll mit Lachsen
und kamen an
einigen wunderschoenen Bergseen vorbei. Einige Male war der
schmale Wanderweg
fast vollstaendig zugewachsen, und wir mussten uns durch die
dichte Vegetation
schlagen. Stellenweise wuchsen die Graeser so hoch, dass wir
vollstaendig
darin verschwanden und aufpassen mussten, dass wir uns
gegenseitig nicht
verloren!
Auch das Wetter spielte wider Erwarten richtig gut mit, und
so konnten wir
die letzte Zeit in Alaska nochmals richtig geniessen. Erst
als wir schliesslich
per Anhalter nach Anchorage zurueck fuhren, begann es wieder
zu regnen und
die wenigen verbleibenden Tage zeigten sich nur noch kuehl
und grau, so
dass uns der Abschied immerhin nicht allzu schwer fiel.
Da wir unseren Wagen schon verkauft hatten, flogen wir von
Anchorage direkt
nach Vancouver zurueck. Schon vom Flugzeug aus konnten wir
beobachten, wie
sich die dichten Wolken zunehmend lichteten, je naeher wir
Vancouver kamen,
und nach der Landung erwartete uns schliesslich
wunderschoenes spaetsommerliches
Wetter. Wir hatten bisher noch nicht viele sommerlich warme
Tage geniessen
koennen, und so benuetzten wir diese Gelegenheit und
verbrachten die meiste
Zeit an einem der zahlreichen Sandstraende der Stadt oder im
noch knapp
genug warmen Meer mit Schwimmen.
Der Nachteil des anhaltend schoenen und heissen Wetters,
welches hier den
ganzen Sommer ueber geherrscht hatte, war jedoch die
Trockenheit und die
dem entsprechend extrem zahlreichen Waldbraende. Die
Situation war schliesslich
so verheerend, dass das komplette Hinterland, also jegliches
Gebiet abseits
von Strassen und Siedlungen, gesperrt wurde aus Angst vor
neuen Braenden.
Dies war eine herbe Enttaeuschung fuer uns, da wir geplant
hatten, auch
den letzten Monat noch wandernd und campend in den Bergen
ausserhalb Vancouvers
zu verbringen. Als Alternative dazu wollten wir schliesslich
ins nahegelegene
Squamish zum Klettern fahren, doch wir fanden bald heraus,
dass auch dies
nicht moeglich war, da die Wege zu den Kletterfelsen hin
auch gesperrt waren.
So fiel uns erst mal gar nichts mehr ein, was wir noch
machen koennten und
blieben daher etwas laenger in Vancouver wohnen.
Gluecklicherweise stiessen
wir aber bald auf ein Inserat eines Austernzuechters, der
eine Austernfarm
auf einer Insel ausserhalb der Stadt betreibt und staendig
Leute sucht,
die ihm bei der Arbeit behilflich sind. Drei bis vier
Stunden Arbeit pro
Tag gegen Kost und Logie schien uns ein faires Angebot und
so waren wir
mehr als froh, als wir ein paar Tage spaeter dorthin fahren
konnten und
eine Woche bei Bill wohnen und arbeiten konnten.
Seine Farm ist richtig romantisch auf ein paar Felsen direkt
am Wasser gelegen,
umgeben von dichtem Kuestenregenwald. Die naechsten Leute
wohnen erst knapp
einen Kilometer entfernt an verschiedenen Stellen der Insel,
meist selbst
auch Austernzuechter. Der einzige Zugang zu seinem
Grundstueck ist per Boot,
da es auf der Insel kaum Strassen gibt.
Viel zu schnell verging die Zeit auf der Farm. Wir
erledigten verschiedenste
Arbeiten fuer ihn, angefangen von Austern sammeln ueber
Bootsreparaturen
bis hin zu Holz hacken und anderen Notwendigkeiten. Dafuer
bekochte er uns
richtig gut (es gab nicht jeden Tag Austern, aber natuerlich
probierten
wir auch davon mehr als genug!), und auch sonst lebten wir
sehr komfortabel.
Leider mussten wir nach einer Woche schon wieder Abschied
nehmen, da sich
schon frueher andere Leute fuer die folgende Woche
angemeldet hatten. So
zogen wir wieder aus und verbrachten noch einige weitere
Tage an der Kueste
noerdlich von Vancouver, die wir schon waehrend des Winters
besucht hatten.
Erst heute kehrten wir schliesslich in die Stadt zurueck, da
es noch einige
letzte Dinge zu erledigen gibt, bevor wir zurueck fliegen.
Wir haben vorallem
noch sehr viel Gepaeck bei einer Kollegin hier in der Stadt
eingestellt,
welches wir morgen abholen und etwas umpacken wollen, damit
dann auch alles
im Flugzeug Platz hat...
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