Endlich habe ich wieder einmal gelegenheit
zum schreiben. nach ueber einem
monat weg von der zivilisation sind wir vor ein paar tagen
nach fairbanks
und kurz darauf nach anchorage zurueck gekehrt.
der vergangene monat war sehr ereignisreich und bestimmt ein
hoehepunkt
unserer reise. ich glaube, ich habe schon frueher von
unserem geplanten
trip zu diesen heissen quellen, den melozi hot springs,
erzaehlt. raphael
und ich hatten diesen genialen ort vor einigen jahren
entdeckt, als wir
mit dem kanu auf dem melozi river unterwegs waren und einen
abstecher zu
diesen quellen unternahmen. damals hatten wir ueberhaupt
nicht erwartet,
dort ein komplett eingerichtetes ferienresort vorzufinden,
welches vor ungefaehr
15 jahren verlassen worden war und seither ungenuetzt vor
sich hin rottete.
gluecklicherweise ist der ort aber noch in recht gutem
zustand, und die
gebaeude (grosses blockhaus mit kueche und wohnzimmer,
schlafcabins, werkstatt,
etc.) groesstenteils noch benuetzbar. schon damals wussten
wir, dass wir
eines tages zurueck kommen und etwas mehr zeit an diesem ort
verbringen
wollen...
so planten wir schon seit laengerem eine reise dorthin, zu
der wir alle
unsere freunde einluden. schliesslich wollten wir diesen ort
niemandem vorenthalten...
martina und ich erledigten in anchorage und fairbanks alle
noetigen einkaeufe
und sonstigen vorbereitungen. ein groesseres unterfangen,
wenn man fuer
12 personen nahrung fuer drei wochen einkaufen muss!
wenigstens mussten
wir den versand nicht selbst erledigen, sondern konnten das
meiste direkt
nach ruby, einem kleinen dorf am yukon, das uns als
ausgangsort diente,
verschicken lassen. als martina und ich schliesslich dort
ankamen und erst
mal bei der post vorbei schauten, waren die leute schon
lange neugierig
auf uns geworden, da sie schon dachten, wir wollten nach
ruby ziehen...
wir verbrachten noch zwei tage in dem sympatischen
indianerdorf, einerseits
mit den letzten vorbereitungen beschaeftigt, viel mehr aber
noch in die
aktivitaeten anlaesslich des 4.juli (nationalfeiertag der
usa) involviert.
dies beinhaltete unter anderem einen halbmarathon, den ich
schliesslich
voellig unerwartet gewann und dabei erst noch ein preisgeld
von $500 entgegen
nehmen konnte...
tags darauf erschien schliesslich der angeheuerte pilot mit
seinem wasserflugzeug,
und brachte uns und alle vorraete etappenweise zum melozi
river hinaus,
so nahe zu den quellen wie mit einem wasserflugzeug eben
moeglich (leider
immer noch eine happige tageswanderung entfernt!). raphael
erschien schliesslich
auch noch nach etwas verspaetung, und so feierten wir erst
mal unser wiedersehen
auf einer sandbank mehr als 50km von ruby entfernt. war
schon ein
bisschen ein eigenartiges gefuehl, als sich brownie, der
pilot, nach dem
letzten flug schliesslich verabschiedete und uns drei
einfach so in der
wildnis zurueck liess.
doch wir verloren nicht allzu viele gedanken darueber.
wichtiger war jetzt,
wie wir das ganze essen (etwa 400kg) baerensicher in die
baeume haengen
konnten, ein groesseres unterfangen, dem sich unser
konstrukteur raphael
mit freuden widmete. in der zwischenzeit wanderten martina
und ich mit einer
ersten ladung essen und material zu den hot springs hinaus,
was ziemlich
muehsam wurde, da wir erst die beste route erkunden mussten.
diese hatten
wir aber nicht auf anhieb gefunden, und so erreichten wir
das resort erst
nach etwa 12h anstrengender wanderung.
erst knapp zwei tage spaeter kehrten wir zum fluss zurueck,
wo es raphael
in der zwischenzeit geschafft hatte, alle vorraete einige
meter ueber boden
aufzuhaengen, so dass sie ausser reichweite fuer die baeren
waren. gemeinsam
wanderten wir drei wieder zum resort zurueck, und auch
diesmal dauerte die
wanderung etwa gleich lange, da wir wieder sehr schwer
bepackt waren.
bei den quellen angekommen, hatten wir endlich mal einige
tage zeit, um
dort zu bleiben und den ort etwas vorzubereiten. vorallem
die lodge und
die kueche mussten gruendlich gereinigt und aufgeraeumt
werden, da sich
in den vergangenen jahren einige maeuse, eichhoernchen und
anderes kleingetier
eingenistet hatten. raphael widmete sich dem bau eines
pools, denn die quellen
selbst sind viel zu heiss um darin zu baden.
erst nach einigen tagen mussten wir wieder zum fluss zurueck
wandern, diesmal
um unsere freunde abzuholen. alle zusammen kehrten wir dann
zurueck zu den
quellen, wo sich erst mal alle einrichteten und natuerlich
ein erstes heisses
bad genossen. genau das richtige nach der langen und
anstrengenden wanderung
und dem anhaltend feuchten und kuehlen wetter.
nun konnten wir es endlich richtig geniessen, denn wir
hatten zwei wochen
vor uns, die wir nach lust und laune mit den verschiedensten
aktivitaeten
fuellen konnten. dies beinhaltete unter anderem baden
(logisch!), wandern,
angeln, basteln (die werkstatt war noch voll ausgeruestet
und es gab genuegend
reparaturbeduerftige maschinen), malen, lesen (auch ein sehr
umfangreiche
bibliothek war vorhanden), beeren sammeln, und so weiter.
jedenfalls verging
die zeit wie im fluge und die zwei wochen waren viel zu
schnell vorbei.
vorallem mussten wir zwischendurch noch mehr essen holen,
was auch wieder
zwei tage in anspruch genommen hatte.
so nahmen wir schliesslich abschied von diesem traumhaften
ort, schon in
der ueberzeugung, eines tages zurueck zu kommen und noch
mehr zeit hier
zu verbringen. vorallem sollte es naechstes mal einiges
einfacher werden,
denn wir hatten auch die ueberwachsene landepiste fuer
buschflugzeuge wieder
gerodet und nach etwas mehr reparaturarbeiten sollte sie
wieder benuetzbar
sein...
wir machten uns ein letztes mal auf den weg zum melozi
zurueck, wo brownie
puenktlich mit drei schlauchbooten einflog. wir hatten
geplant, auf dem
melozi river nach ruby zurueck zu raften, denn dieser
muendet gerade etwas
oberhalb des dorfes in den yukon. so verbrachten wir noch
vier tage auf
dem meist recht ruhigen fluss und genossen es, wieder
unterwegs zu sein
und die landschaft an uns vorbei ziehen zu lassen. erst am
letzten tag wurde
es noch richtig aufregend, denn zwei groessere und weitere
kleine stromschnellen
erwarteten uns. gluecklicherweise spielte an diesem tag das
wetter gut mit,
denn wir wurden in den stromschnellen ziemlich geduscht und
konnten anschliessend
gleich wieder alles trocknen, bevor wir den restlichen
abschnitt bis ruby
in angriff nahmen. erst spaet nachts erreichten wir das
dorf, wo wir bloss
noch schnell unsere zelte aufbauten und uns dann gleich
schlafen legten.
damit war die gemeinsame zeit schon fast wieder vorbei. die
ersten leute
mussten schon am naechsten morgen ausfliegen, um wieder
puenktlich zum ferienende
in der schweiz zurueck zu sein. wir beide blieben noch ein
paar tage und
fuhren in einem boot schliesslich noch knapp weitere 100km
den yukon hinunter,
um die schlauchboote wieder brownie, unserem piloten zu
uebergeben, von
dem wir sie gemietet hatten und der erst im naechsten dorf
unterhalb ruby
wohnt.
zurueck in fairbanks trafen wir unseren kollegen andreas
wieder, der unser
auto uebernommen hat und damit zurueck nach vancouver
faehrt. natuerlich
freuten wir uns ueber sein angebot, gemeinsam nach anchorage
zu fahren,
wo wir jetzt noch ein paar tage bleiben bevor sich unsere
wege dann trennen.
martina und ich bleiben noch etwa zwei wochen laenger in
alaska, um einen
freund von martina zu besuchen, der ausserhalb anchorage als
fishing guide
arbeitet und mit dem wir nochmals einige tage lachse fischen
wollen. schliesslich
muss ich mich noch meiner freude am angeln widmen, solange
ich dazu gelegenheit
habe und vorallem einige der besten fischgewaesser in
reichweite sind...!
danach fliegen wir zurueck nach vancouver, wo wir noch
irgendwie die letzten
verbleibenden wochen unserer reise verbringen werden, bevor
wir dann ende
september in die schweiz zurueck fliegen muessen. doch bis
dahin dauert
es ja immer noch eine gute weile, denn wir fuehlen uns nach
wie vor noch
ueberhaupt nicht reisemuede und koennten uns hier sicherlich
noch lange
beschaeftigen!
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