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Reisebericht 6 Alaska (Rundmail)

   
     
Endlich habe ich wieder einmal gelegenheit zum schreiben. nach ueber einem
monat weg von der zivilisation sind wir vor ein paar tagen nach fairbanks
und kurz darauf nach anchorage zurueck gekehrt.
der vergangene monat war sehr ereignisreich und bestimmt ein hoehepunkt
unserer reise. ich glaube, ich habe schon frueher von unserem geplanten
trip zu diesen heissen quellen, den melozi hot springs, erzaehlt. raphael
und ich hatten diesen genialen ort vor einigen jahren entdeckt, als wir
mit dem kanu auf dem melozi river unterwegs waren und einen abstecher zu
diesen quellen unternahmen. damals hatten wir ueberhaupt nicht erwartet,
dort ein komplett eingerichtetes ferienresort vorzufinden, welches vor ungefaehr
15 jahren verlassen worden war und seither ungenuetzt vor sich hin rottete.
gluecklicherweise ist der ort aber noch in recht gutem zustand, und die
gebaeude (grosses blockhaus mit kueche und wohnzimmer, schlafcabins, werkstatt,
etc.) groesstenteils noch benuetzbar. schon damals wussten wir, dass wir
eines tages zurueck kommen und etwas mehr zeit an diesem ort verbringen
wollen...

so planten wir schon seit laengerem eine reise dorthin, zu der wir alle
unsere freunde einluden. schliesslich wollten wir diesen ort niemandem vorenthalten...
martina und ich erledigten in anchorage und fairbanks alle noetigen einkaeufe
und sonstigen vorbereitungen. ein groesseres unterfangen, wenn man fuer
12 personen nahrung fuer drei wochen einkaufen muss! wenigstens mussten
wir den versand nicht selbst erledigen, sondern konnten das meiste direkt
nach ruby, einem kleinen dorf am yukon, das uns als ausgangsort diente,
verschicken lassen. als martina und ich schliesslich dort ankamen und erst
mal bei der post vorbei schauten, waren die leute schon lange neugierig
auf uns geworden, da sie schon dachten, wir wollten nach ruby ziehen...
wir verbrachten noch zwei tage in dem sympatischen indianerdorf, einerseits
mit den letzten vorbereitungen beschaeftigt, viel mehr aber noch in die
aktivitaeten anlaesslich des 4.juli (nationalfeiertag der usa) involviert.
dies beinhaltete unter anderem einen halbmarathon, den ich schliesslich
voellig unerwartet gewann und dabei erst noch ein preisgeld von $500 entgegen
nehmen konnte...
tags darauf erschien schliesslich der angeheuerte pilot mit seinem wasserflugzeug,
und brachte uns und alle vorraete etappenweise zum melozi river hinaus,
so nahe zu den quellen wie mit einem wasserflugzeug eben moeglich (leider
immer noch eine happige tageswanderung entfernt!). raphael erschien schliesslich
auch noch nach etwas verspaetung, und so feierten wir erst mal unser wiedersehen
auf einer sandbank mehr als 50km von ruby entfernt. war schon ein
bisschen ein eigenartiges gefuehl, als sich brownie, der pilot, nach dem
letzten flug schliesslich verabschiedete und uns drei einfach so in der
wildnis zurueck liess.
doch wir verloren nicht allzu viele gedanken darueber. wichtiger war jetzt,
wie wir das ganze essen (etwa 400kg) baerensicher in die baeume haengen
konnten, ein groesseres unterfangen, dem sich unser konstrukteur raphael
mit freuden widmete. in der zwischenzeit wanderten martina und ich mit einer
ersten ladung essen und material zu den hot springs hinaus, was ziemlich
muehsam wurde, da wir erst die beste route erkunden mussten. diese hatten
wir aber nicht auf anhieb gefunden, und so erreichten wir das resort erst
nach etwa 12h anstrengender wanderung.
erst knapp zwei tage spaeter kehrten wir zum fluss zurueck, wo es raphael
in der zwischenzeit geschafft hatte, alle vorraete einige meter ueber boden
aufzuhaengen, so dass sie ausser reichweite fuer die baeren waren. gemeinsam
wanderten wir drei wieder zum resort zurueck, und auch diesmal dauerte die
wanderung etwa gleich lange, da wir wieder sehr schwer bepackt waren.
bei den quellen angekommen, hatten wir endlich mal einige tage zeit, um
dort zu bleiben und den ort etwas vorzubereiten. vorallem die lodge und
die kueche mussten gruendlich gereinigt und aufgeraeumt werden, da sich
in den vergangenen jahren einige maeuse, eichhoernchen und anderes kleingetier
eingenistet hatten. raphael widmete sich dem bau eines pools, denn die quellen
selbst sind viel zu heiss um darin zu baden.

erst nach einigen tagen mussten wir wieder zum fluss zurueck wandern, diesmal
um unsere freunde abzuholen. alle zusammen kehrten wir dann zurueck zu den
quellen, wo sich erst mal alle einrichteten und natuerlich ein erstes heisses
bad genossen. genau das richtige nach der langen und anstrengenden wanderung
und dem anhaltend feuchten und kuehlen wetter.
nun konnten wir es endlich richtig geniessen, denn wir hatten zwei wochen
vor uns, die wir nach lust und laune mit den verschiedensten aktivitaeten
fuellen konnten. dies beinhaltete unter anderem baden (logisch!), wandern,
angeln, basteln (die werkstatt war noch voll ausgeruestet und es gab genuegend
reparaturbeduerftige maschinen), malen, lesen (auch ein sehr umfangreiche
bibliothek war vorhanden), beeren sammeln, und so weiter. jedenfalls verging
die zeit wie im fluge und die zwei wochen waren viel zu schnell vorbei.
vorallem mussten wir zwischendurch noch mehr essen holen, was auch wieder
zwei tage in anspruch genommen hatte.
so nahmen wir schliesslich abschied von diesem traumhaften ort, schon in
der ueberzeugung, eines tages zurueck zu kommen und noch mehr zeit hier
zu verbringen. vorallem sollte es naechstes mal einiges einfacher werden,
denn wir hatten auch die ueberwachsene landepiste fuer buschflugzeuge wieder
gerodet und nach etwas mehr reparaturarbeiten sollte sie wieder benuetzbar
sein...

wir machten uns ein letztes mal auf den weg zum melozi zurueck, wo brownie
puenktlich mit drei schlauchbooten einflog. wir hatten geplant, auf dem
melozi river nach ruby zurueck zu raften, denn dieser muendet gerade etwas
oberhalb des dorfes in den yukon. so verbrachten wir noch vier tage auf
dem meist recht ruhigen fluss und genossen es, wieder unterwegs zu sein
und die landschaft an uns vorbei ziehen zu lassen. erst am letzten tag wurde
es noch richtig aufregend, denn zwei groessere und weitere kleine stromschnellen
erwarteten uns. gluecklicherweise spielte an diesem tag das wetter gut mit,
denn wir wurden in den stromschnellen ziemlich geduscht und konnten anschliessend
gleich wieder alles trocknen, bevor wir den restlichen abschnitt bis ruby
in angriff nahmen. erst spaet nachts erreichten wir das dorf, wo wir bloss
noch schnell unsere zelte aufbauten und uns dann gleich schlafen legten.

damit war die gemeinsame zeit schon fast wieder vorbei. die ersten leute
mussten schon am naechsten morgen ausfliegen, um wieder puenktlich zum ferienende
in der schweiz zurueck zu sein. wir beide blieben noch ein paar tage und
fuhren in einem boot schliesslich noch knapp weitere 100km den yukon hinunter,
um die schlauchboote wieder brownie, unserem piloten zu uebergeben, von
dem wir sie gemietet hatten und der erst im naechsten dorf unterhalb ruby
wohnt.
zurueck in fairbanks trafen wir unseren kollegen andreas wieder, der unser
auto uebernommen hat und damit zurueck nach vancouver faehrt. natuerlich
freuten wir uns ueber sein angebot, gemeinsam nach anchorage zu fahren,
wo wir jetzt noch ein paar tage bleiben bevor sich unsere wege dann trennen.
martina und ich bleiben noch etwa zwei wochen laenger in alaska, um einen
freund von martina zu besuchen, der ausserhalb anchorage als fishing guide
arbeitet und mit dem wir nochmals einige tage lachse fischen wollen. schliesslich
muss ich mich noch meiner freude am angeln widmen, solange ich dazu gelegenheit
habe und vorallem einige der besten fischgewaesser in reichweite sind...!

danach fliegen wir zurueck nach vancouver, wo wir noch irgendwie die letzten
verbleibenden wochen unserer reise verbringen werden, bevor wir dann ende
september in die schweiz zurueck fliegen muessen. doch bis dahin dauert
es ja immer noch eine gute weile, denn wir fuehlen uns nach wie vor noch
ueberhaupt nicht reisemuede und koennten uns hier sicherlich noch lange
beschaeftigen!



 
   
   
   
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