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Reisebericht 2 Kanada (Rundmail)

   
     
Schon ist wieder ein monat vergangen, seit ich das letzte mail verschickt
habe. Wird zeit, dass ich was hoeren lasse...
Sehr viel ist in diesem monat eigentlich nicht gelaufen, hatten wir den
eindruck, und trotzdem ist die zeit wieder einfach so verflogen.

wir sind diesmal von vancouver aus ins landesinnere gefahren, in der absicht,
einige der zahlreichen skigebiete zu probieren. die schneeverhaeltnisse
sollten sich gebessert haben und so freuten wir uns auf einige tage im schnee.

in den taelern unten war das wetter aber nach wie vor sehr mild und so verbrachten
wir weiterhin einen grossteil der naechte im zelt. besonders in dem einen
tal, okanagan valley genannt, fuehlte es sich schon fast sommerlich an.
zumindest die ersten paar tage, die wir dort verbracht haben. das tal ist
der noerdlichste auslaeufer der grossen zentralen amerikanischen wueste,
und daher das komplette gegenteil von der landschaft der kueste entlang.
erstaunlich war auch, wie ploetzlich sich das landschaftsbild aenderte.
kaum hatten
wir die bergkette, die das tal von der kueste trennt, ueber eine passstrasse
ueberquert und fuhren in dieses tal hinunter, wurde es zunehmend trockener.
die waelder waren bald viel lichter, ganz im gegensatz zu den ueppig-gruenen
regenwaeldern in den kuestengebieten. unten im tal dann verschwand der wald
voellig (welch ungewohnter anblick!) und der boden war nur noch spaerlich
mit halbverdorrten wuestenpflanzen bewachsen. oftmals wirbelte der wind
ganze wolken von sand und staub auf, und irgendwie hatte man staendig den
eindruck, man befinde sich in einem westernfilm... fehlten bloss noch einige
indianer, die auf ihren pferden vorbei ritten!
pferde gab es aber tatsaechlich auch viele, nebst riesigen rinderherden,
die auf den farmen gezuechtet werden. zudem wird hier, beguenstigt durch
das heisse klima, sehr viel obstbau betrieben. im sommer sollen hier alle
moeglichen sorten von fruechten wachsen, bis hin zu melonen, aprikosen und
pfirsichen. auch rebberge findet man zahlreiche, und der okanagan wein gilt
als einer der besten in ganz kanada.

ein paar wenige tage nach unserer ankunft in diesem tal staunten wir dann
aber nicht schlecht, als ein ploetzlicher kaelteeinbruch die temperaturen
weit unter den gefrierpunkt sinken liess. da es zudem die ganze nacht lang
schneite zoegerten wir am andern morgen nicht lange und fuhren ins naechstgelegene
skigebiet, wo uns ein praechtiger tag mit einem halben meter pulverschnee
erwartete... auch die naechsten beiden tage verbrachten wir auf, oder meistens
eher neben der piste. wir waren noch in ein anderes, sehr kleines skigebiet
gefahren, das aber ausgesprochen sympathisch und auch recht abwechslungsreich
war. wie schon im ersten gebiet gab es trotz der genialen verhaeltnisse
praktisch keine leute auf der piste. bald fanden wir heraus, dass dies in
kanada ueblich ist... anstehen am lift ist hier so gut wie unbekannt, und
auf der piste fuehlt man sich oft voellig einsam! einfach unglaublich, wenn
man sich an die ueberfuellten skigebiete der alpen gewoehnt ist!

gerne waeren wir auch noch in andern, groesseren und anspruchsvolleren gebieten
fahren gegangen. doch gerade als wir ein paar tage spaeter in einem der
besten skigebiete ueberhaupt angekommen waren, stieg die temperatur wieder
massiv an und es regnete bis weit den berg hinauf. so ging es die kommenden
tage und wochen weiter, und bald schon gaben wir das skifahren deshalb wieder
auf... natuerlich haette man fahren gehen koennen, doch wir zermatt-verwoehnten
skisnobs gaben uns natuerlich nicht mit irgendwelchen schneeverhaeltnissen
zufrieden und liessen es daher lieber ganz bleiben! und zudem lockte das
wiederum fruehlingshafte wetter und die schoenen landschaften zum wandern
und zelten... so unternahmen wir weitere touren, wobei wir uns meist auf
die tiefergelegenen gebiete beschraenken mussten. sobald man ein wenig in
die hoehe kam, lag jeweils noch viel schnee, was zum wandern nicht gerade
angenehm ist. doch in diesen taelern gibt es viele grosse seen, an deren
ufern wir einige interessante wanderwege fanden. zwischendurch hatte ich
auch ein paar mal gelegenheit zum angeln, und obwohl jetzt im winter meist
noch nicht wirklich die saison dafuer ist landeten schon ein paar schoene
(oder besser feine!) fische auf dem grill...

andere attraktionen entlang unserer reiseroute bestanden aus verlassenen
minen und den dazugehoerenden geisterstaedten, denn anfangs dieses jahrhunderts
wurde in diesen bergen (grob zwischen der kueste und den rocky mountains
gelegen) hauptsaechlich silber, aber auch andere erze und gold gefunden
und abgebaut. nachdem der erste boom vorueber war, schlossen die meisten
der unternehmen und liessen oftmals riesige anlagen und ganze siedlungen
zurueck.
auch gibt es einige heisse quellen in diesen bergen, und nach ein paar tagen
draussen im zelt war uns ein solch herrlich warmes bad natuerlich immer
willkommen.

jedenfalls wurde es uns nie langweilig, und auch das wetter spielte meist
perfekt mit. erst jetzt, kaum waren wir in vancouver angekommen, begann
es wieder mal laenger anhaltend zu regnen...
ansonsten ist es in der stadt schon sehr fruehlingshaft. viele baeume bluehen
schon, und in den gaerten sieht man vielerorts tulpen, osterglocken und
andere fruehlingsboten.

 


 

   
   
   
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