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Reisebericht 1 Kanada (Rundmail)

   
     
Hoechste Zeit, dass ich mal was von mir hoeren lasse, sind wir jetzt doch
schon bald zwei monate unterwegs. wie so gerne beim reisen vergeht die
zeit einfach unglaublich schnell, und mir war bisher gar nicht bewusst,
wie lange wir eigentlich schon hier sind.
ist ja aber ein gutes zeichen, und ueber langeweile koennen wir uns tatsaechlich
nicht im geringsten beklagen!

wahrscheinlich werdet ihr ueberrascht sein zu hoeren, dass wir bisher noch
kaum schnee gesehen geschweige denn einen tag auf den skis verbracht haben!
im gegensatz zu europa ist der winter auf der seite des atlantiks und vorallem
hier an der westkueste von kanada aussergewoehnlich warm und schneearm.
die meisten skigebiete haben nach wie vor nur verhaeltnismaessig geringe
schneemengen aufzuweisen, und so fanden wir es besser, erst mal abzuwarten
und zu hoffen, dass es gegen ende winter hin noch richtig schneit. besonders
da wir, verwoehnt wie wir von zermatt her sind, nicht gerade geringe ansprueche
an schnee- und pistenverhaeltnisse haben...

so sind wir nach etwas mehr als einer woche nach unserer ankunft hier in
vancouver mit unserem "neu" gekauften auto richtung vancouver island losgefahren.
diese insel, annaehernd so gross wie die schweiz und direkt vor der kueste
vancouvers gelegen, ist bekannt fuer ihre grossartige natur und insbesondere
die regenwaelder, die sehr typisch fuer die westkueste sind. eigentlich
normale tannenwaelder, aber durch die enormen niederschlagsmengen vom pazifik
her (bis 3000cm pro jahr!) so feucht, dass die tannen oftmals komplett in
moos eingepackt und der boden vollstaendig mit farn bewachsen ist. teilweise
findet man noch gigantische, bis 1000 jahre alte tannen, doch leider wurden
diese zum groessten teil abgeholzt und man sieht bloss noch die halbvermoderten
ueberreste. wirklich traurige bilder, wie diese einzigartigen waelder ruecksichtslos
gerodet wurden und auch heute noch werden...auch wenn sie ueberall wieder
aufgeforstet werden, dauert es doch sehr lange, bis sich wieder richtiger
regenwald entwickeln kann und vorallem die richtig alten waelder sind wie
gesagt schon fast komplett verschwunden.
zu diesen waeldern muss man sich nun bloss noch eine rauhe, felsige und
meist etwas nebelverhangene kuestenlandschaft vorstellen, um sich einigermassen
ein bild machen zu koennen, wie es hier vielerorts aussieht. zwischen den
schroffen klippen findet sich staendig wieder mal ein einsamer kleiner kiesstrand
mit seehunden, die in sichtweite in den wellen spielen, adlern, die ruhig
ihre kreise ueber dem wasser ziehen, und gelegentlich trifft man auch mal
ein paar hartgesottene surfer an, die die groessten der herandonnernden
wellen abwarten, um ihre kuenste unter beweis zu stellen...

in diesen wild-romantischen gegenden verbrachten wir viel zeit mit wandern,
campen oder einfach geniessen. wir fuhren oft wieder ein stueck weit und
liessen dann unser auto fuer ein paar tage zurueck, um einem oftmals recht
abenteuerlichen trail zu folgen. unter anderem wanderten wir auch mal ein
kurzes stueck auf dem beruehmten west coast trail, der zu dieser jahreszeit
eigentlich geschlossen und nur schlecht zu begehen ist. ansonsten fanden
wir bald heraus, dass es eigentlich die beste jahreszeit ist, um auf dieser
insel herumzureisen, da sie im sommer ziemlich von touristen ueberschwemmt
sein soll. jetzt war es schon eine grosse ausnahme, wenn wir mal nicht alleine
auf einem zeltplatz waren... wir hatten teilweise ganze hostels fuer uns
alleine (zwischendurch muss man sich ja wieder mal eine dusche goennen und
kleider waschen... :-) oder wurden von einheimischen eingeladen, die nacht
bei ihnen zu verbringen. ansonsten schliefen wir fast immer im zelt, was
erstaunlich gut ging. die temperaturen lagen tagsueber meist zwischen 5
und 10 grad c und fielen nachts nur selten unter die null grad grenze. zum
wandern gerade ideal, besonders wenn man vom teilweise unglaublich heftigen
regen absieht...einige male waren wir richtig durchnaesst und aufgeweicht,
doch eigentlich waren wir sehr gluecklich, dass der winter verhaeltnismaessig
trocken ist und es daher auch viele sonnige tage zu geniessen gab.

vielleicht koennt ihr euch nun eher vorstellen, dass auf diese weise die
zeit nur so verflog und wir uns schon fast ein bisschen ueberwinden mussten,
endlich wieder mal nach vancouver zurueck zu kehren. schliesslich wollten
wir auch wieder mal schauen, ob sich die schneesituation zwischenzeitlich
verbessert hat, bevor der winter dann ploetzlich schon wieder vorbei ist.
so richtig gut sieht es in den meisten gebieten nach wie vor nicht aus,
doch wahrscheinlich fahren wir jetzt einfach mal los ins landesinnere und
somit in die berge und sehen uns die situation vor ort an. wenigstens mal
zur abwechslung ein paar tage auf der piste zu verbringen waere schon ganz
gut...

und falls es nichts wird mit skifahren, koennen wir unsere zeit hier auch
weiterhin problemlos mit anderen aktivitaeten verbringen.

ich wuensche euch allen einen ganz tollen und einmaligen winter mit vielen
guten erlebnissen im schnee, waehrend wir hier schon eher fruehlingsstimmung
geniessen. zumindest hier in der stadt bluehen tatsaechlich schon die ersten
baeume und fruehlingsblumen...


 
   
   
   
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