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Zur Zeit unterwegs:
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Aufgewachsen
bin ich in Heiligkreuz im Kanton Thurgau, einem kleinen Dorf in
ländlicher
Umgebung. |
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Warum Reisen - Gedanken zu Ursachen und Gründen Um der Frage nach den Beweggründen für meine Reisen auf den Grund zu gehen, habe ich auf meine bisherigen Touren zurückgeblickt und versucht herauszufinden, was mir dabei jeweils am Wichtigsten war. Folgende Punkte sind dabei herausgekommen: |
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1. Natur
erleben |
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Die Natur hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Sie ist mir schon fast heilig; wenn ich an etwas glauben soll, dann an die Natur. Sie ist der Ursprung allen Lebens, die Schöpferkraft, das Leben selbst. Es gibt nichts Ursprünglicheres und Elementareres als die Natur an sich. Leider vergessen das immer mehr Menschen in unserer überzivilisierten Kultur. Lange Zeit war mir ihre Bedeutung auch zu wenig bewusst. Erst bei meinen Reisen nach Kanada und Alaska spürte ich, wie sehr mich der reine und ursprüngliche Zustand der Natur fasziniert. Kein Wunder, dass man bei uns in Mitteleuropa den Stellenwert der Natur gerne vergisst, da man kaum mehr einen Flecken unberührte Natur findet! Unberührt und ursprünglich sollte sie sein, damit man die ihr eigene Logik und Vollkommenheit erkennen kann, und sich nicht bloss das Handeln des Menschen darin widerspiegelt! Es überkommt mich jeweils grosse Ehrfurcht, wenn ich mich durch die Natur bewege. Ein ähnliches Gefühl der Spiritualität überkommt mich, wie es ein Gläubiger in einem Tempel verspürt. Die Nähe zu Gott, zu einer höheren Macht, zur Schöpferkraft. Dabei werden Wälder zu Kathedralen und Sonnenuntergänge zum Gebet. Das Bewusstsein der eigenen Winzigkeit und Vergänglichkeit und schliesslich Dankbarkeit, hier sein zu dürfen und von der Natur geduldet zu werden. |
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Wir Europäer oder Bewohner der westlichen Welt allgemein halten uns gerne für etwas Besonderes. Wir glauben uns vom Rest der Welt abzuheben durch unseren vermeintlich selbst geschaffenen Wohlstand der aus unserer geistigen und kulturellen Überlegenheit resultiert. Wer einmal den Lauf der Geschichte genauer betrachtet wird bald feststellen, dass dies nur eine vorübergehende Zeiterscheinung ist. Lange gehörte Europa zu den am wenigsten entwickelten Regionen, während in vielen anderen Teilen der Erde schon überragende Kulturen aufblühten die ein Wissen hervorbrachten, das dem unseren um Jahrhunderte voraus war. Während Europa noch in Barbarei und Kriegsgräuel versank, errechneten in anderen Kulturen Astronomen schon die Umlaufbahnen der Planeten und präsentierten wissenschaftliche Erkenntnisse, die bis heute ihre Gültigkeit bewahrt haben. Andere Kulturen entwickelten die Schrift und andere Formen der Kommunikation, studierten die Logik der Architektur und errichteten gewaltige Bauwerke, oder frönten sich den geistigen Wissenschaften. Für mich ist unumstritten, dass unsere führende Position in der Entwicklung nur ein momentaner, ein vorübergehender Zustand in einem dynamischen Prozess ist. So viel zum Stand unserer geistigen und technischen Entwicklung. Ein anderer Aspekt, der in unserer sogenannt zivilisierten Welt gerne vergessen wird, ist derjenige der Menschlichkeit. Es mag zwar zutreffen, dass in unserer Kultur die Rechte des Menschen geschützt sind und verteidigt werden. Verbrechen gegen die Humanität finden nur noch in den sogenannt unterentwickelten und wenig zivilisierten Teilen der Welt statt. Dabei vergessen wir leider meist, dass solche Verbrechen meist von oben diktiert sind, hervorgerufen durch eigennützige Politiker und machthungrige Herrscher. Dass die Menschen in jenen Gesellschaften einen meist viel menschlicheren Umgang untereinander pflegen als bei uns üblich, wissen nur die Wenigsten. Oft sind solche Umgangsformen so tief in ihrer Kultur verwurzelt, dass sie richtiggehend zu Gesetzen geworden sind. Gastfreundschaft ist so eines. Bei uns ein schon halb vergessenes Gut, in vielen anderen Kulturen nicht nur gross geschrieben sondern viel mehr eine absolute Selbstverständlichkeit. So bin ich zur Überzeugung gelangt, dass wir von anderen Kulturen sehr viel lernen können und versuche diesen Lernprozess wenigstens für mich persönlich umzusetzen. |
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Bewegung bedeutet für mich Leben. Unser ganzes Leben ist ein Prozess, eine Entwicklung, etwas sich ständig veränderndes, ist in steter Bewegung. Wer stehen bleibt, wer sich nicht mehr weiter entwickelt, hat mit sich und seinem Leben schon so gut wie abgeschlossen. Ich muss mich selbst und meinen Körper spüren um festzustellen, dass ich überhaupt bin. Immer wieder, täglich neu. Erst durch die Bewegung finde ich zu mir selbst. Ein anderer wichtiger Effekt, den länger dauernde und gleichförmige Bewegung auf mich ausübt, ist vergleichbar mit dem Zustand der Meditation. Wenn ich auf dem Fahrrad sitze oder durch die Gegend wandere oder jogge, dann gelingt es mir sehr einfach, komplett abzuschalten und in mich zu gehen. Ich kann meinen Gedanken freien Lauf lassen oder noch wertvoller, gar nichts denken und einfach sein. Ich spüre regelmässig, wie sehr ich solche Phasen des Gehenlassens brauche, sie sind für mich wie Pausen und ein tiefes Durchatmen des Geistes. Ein anderer massgeblicher Aspekt im Zusammenhang mit Bewegung und Leistung sind für mich körperliche Grenzerfahrungen, das Ausloten meiner eigenen Grenzen. Schon unzählige Male habe ich die vermeintliche Grenze meiner körperlichen Leistungsfähigkeit überschritten und damit weiter nach oben verschoben, und trotzdem habe ich die wahre Limite bisher nie erreicht. Kann man auch fast nicht, denn die logische Konsequenz davon wäre ein völliger Zusammenbruch. Doch es tut gut zu sehen, wie sehr sich diese Grenze dehnen und immer noch weiter strecken lässt. Das Wissen darum und das damit einhergehende Vertrauen in meinen Körper und meinen Geist schenkt mir die Sicherheit, mit praktisch jeder Situation umgehen zu können. Ein herrliches Gefühl von Selbstvertrauen und innerlicher Stärke! Damit hat sich auch meine Sicht der Dinge grundlegend verändert. Vermeintlich aussichtslose Probleme im Alltag schrumpfen durch das Wissen um die eigene Belastbarkeit zu Kleinigkeiten oder zumindest lösbare Schwierigkeiten. Ein netter Effekt in solchen Situationen ist häufig die erhöhte Ausschüttung von Hormonen wie Adrenalin oder Endorphinen. Die daraus resultierenden Glücksgefühle können unbestritten süchtig machen, doch es bloss als Suche nach dem gewissen Kick abzutun, wäre zu banal. Ich sehe es eher als eine Art Belohnung für geleistete Anstrengungen. |
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Gerne spricht man heutzutage von der 'Small World', davon, wie klein die Erde seit der Technologisierung geworden ist. Schnelle Reisemittel und weltumspannende Kommunikationsmöglichkeiten haben die Welt zumindest in unserer Vorstellung schrumpfen lassen und ermöglichen es uns, mit Leuten aus jedem Erdteil in Echtzeit zu kommunizieren oder gar innerhalb verhältnismässig kurzer Zeit selbst dahin zu reisen. In Wahrheit ist unser Globus jedoch so riesig und weitläufig geblieben wie eh und je. Glücklicherweise, denn so ist es uns auch heute noch möglich, seine wahren Ausmasse zu ermessen und nicht bloss eine abstrakte Vorstellung von Grösse (oder eben 'Kleinheit') vermittelt zu bekommen. Ich bin der Meinung, dass man nur eine echte Vorstellung von der Entfernung zwischen zwei Punkten erhält wenn man die Distanz erlebt, sie also am Besten aus eigener Kraft zurücklegt. Nur so erkennt man die wahren Dimensionen und kann sich überhaupt eine reale Vorstellung von Raum, und damit verbunden von Zeit machen. Langsamkeit bedeutet auch eine Zunahme an Intensität. Man hat Zeit, sich mit kleinen Dingen auseinander zu setzen und feine Veränderungen zu spüren. Man muss die Welt um sich herum physisch spüren, so wie man auch die Entfernung physisch spüren muss um sie zu verstehen. Wenn man sich gegen die Umwelt abschottet und nur noch in einer künstlichen Welt lebt, erfährt man auch nur wenig über ihr wahres Wesen. Man betrachtet sie nur von aussen, immer aus einer sicheren Entfernung, und verwehrt sich so den tieferen Einblicken. So führt Langsamkeit schliesslich zu Tiefblicken und damit Verständnis für unsere Umgebung. Ähnlich wichtig erachte ich auch die Einfachheit beim Reisen. Die Erlebnisse und Erfahrungen sind ungleich intensiver, wenn man auf unnötigen Komfort verzichtet und sich auf die elementaren Bedürfnisse beschränkt. Unsere abgestumpften Sinne erwachen zu neuem Leben wenn sie wieder einmal intensive Reize spüren. Sei es Hitze oder Kälte, Durst, Hunger oder eine von zahlreichen anderen Empfindungen, die wir in unserer wohlbehüteten Umgebung immer seltener antreffen. Wir haben es mit unserer Technologisierung geschafft, die Umwelteinflüsse und Gesetzmässigkeiten der Natur fast vollständig zu umgehen, meiner Meinung nach nicht nur zu unserem Besten. |
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Zwar hört und liest man über viele Orte der Welt, fremde Länder und Kulturen werden einem im Fernsehen, in Zeitschriften oder im Internet gezeigt und näher gebracht. Ein Bild wird produziert, je nach Autor mehr oder weniger realistisch und vollständig, jedoch nie der Wirklichkeit entsprechend. Der Prozess des Schreibens, Erzählens oder Wiedergebens im Allgemeinen zwingt zur Reduktion, und Reduktion wiederum bedingt das Auswählen des (hoffentlich) Wichtigen und das Weglassen der als weniger wichtig eingestuften Informationen. Schon länger habe ich festgestellt, dass ich mir erst wirklich eine Vorstellung, ein Bild von etwas machen kann, wenn ich es auch selbst erlebt habe. Erfahrungen sind etwas Zentrales in meinem Leben, mit Betonung auf eigene, auf selbst gemachte Erfahrungen. Es versteht sich von selbst, dass dies nicht nur gute Erlebnisse einschliesst, ganz im Gegenteil. Es ist ja allgemein bekannt, dass man aus Fehlern und weniger guten Entscheiden am Meisten lernt, und meist brauche ich solche Erfahrungen am eigenen Leib, bis ich etwas wirklich glauben, etwas als Tatsache akzeptieren kann. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte in einer früheren Zeit gelebt, als noch die berüchtigten weissen Stellen auf der Landkarte existierten und man als Entdecker in die Geschichte eingehen konnte. Gerne würde ich noch unbekanntes Terrain entdecken und erforschen und das Wissen um Orte, die kaum ein anderer Mensch kennt oder jemals betreten hat, fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Gleichzeitig habe ich aber auch gelernt, dass man jeden Teil der Erde, jede noch so bekannte Ecke direkt vor der eigenen Haustüre für sich selbst immer wieder neu entdecken kann. Zwar mögen es keine Entdeckungen von Bedeutung für die Menschheit sein und nicht dazu reichen, den eigenen Namen in die Geschichte eingehen zu lassen, doch darum geht es auch nicht. Meine Unternehmen waren nie von der zweifelhaften Absicht motiviert gewesen, damit berühmt zu werden oder mir durch etwas noch nie Dagewesenes einen Namen zu verschaffen. Wer mit offenen Augen durch die Welt reist, wird sich immer als Entdecker fühlen und macht ja auch tatsächlich neue Erfahrungen und Entdeckungen, wenn auch einfach für sich selbst. So ist eine Reise jedes Mal ein Aufbruch ins Unbekannte, und genau dieses Unbekannte wirkt wie ein unwiderstehlicher Köder, nämlich dass man seinen Reizen erliegt und und dann manchmal nicht mehr rational nachvollziehbar handelt. Oder mit einem schönen Zitat ausgedrückt: "Adventure is the shiny lure spinning through the water. We are the fish chasing the dazzling bait. And the bait - adventure - can be almost anything." (Bike magazine) |
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