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22. Reisebericht vom 07.07.07 'Indonesien - Über weitere Inseln ins östliche Indonesien'
Position: Semporna, Borneo (Malaysien), km 25'500

Bevor ich die Fähre nach Bali hinüber nahm machte ich noch einen weiteren Ausflug auf einen Vulkan im östlichsten Java. Dieser ist zwar nicht mehr aktiv, dafür tritt am Grunde des Kraters flüssiger Schwefel aus dem Boden aus. Einheimische Träger hacken die erkalteten Brocken ab und schleppten die bis zu 80 kg schweren Lasten in Körben auf den Schultern zum Kraterrand hinauf und anschliessend ins Tal hinunter. Ich stieg ebenfalls in den Krater hinunter doch blieb nicht lange dort, denn die austretenden Dämpfe sind extrem ätzend und ich konnte oft kaum atmen.  Unglaublich, wie man da gleichzeitig noch Schwerstarbeit verrichten kann!

Bald darauf überquerte ich die schmale Meeresenge nach Bali und radelte entlang wilder und sehr ausgedehnter Strände aus dunkelgrauem bis fast schwarzem Sand. Pausenlos rollten riesige Wellen heran und brachen sich donnernd am Strand, ein Schauspiel dem ich immer gerne zuschaute. Kein Wunder hat sich Bali unter den Surfern einen Namen geschaffen!
Schliesslich traf ich meine jüngere Schwester, die zu Besuch kam und zusammen verbrachten wir zwei erlebnisreiche Wochen Ferien. Viel Zeit verbrachten wir am Strand und übten uns selbst ein wenig im Surfen, oder dann unternahmen wir Ausflüge in das vielfältige Innere der Insel. Bali ist vor allem kulturell sehr interessant, da hier die ursprüngliche hinduistische Kultur Indonesiens im Gegensatz zu den anderen Inseln überdauert hat und noch aktiv gelebt wird. Besonders beeindruckt hat mich, wie die Leute oftmals inmitten von sonnenhungrigen Touristen am bevölkertsten Bade- und Surfstrand unbeirrt ihre Zeremonien abhielten und sich vom ganzen Trubel ringsherum offenbar überhaupt nicht stören liessen. An einem Ende des Strandes befand sich sogar eine Kremationsstätte, die rege in Betrieb war!

Viel zu schnell hiess es wieder Abschied nehmen und ich machte mich mit dem Velo weiter Richtung Osten. Mit einer weiteren Fähre ging es nach Lombok hinüber, und nur ein paar Tage später erreichte ich die folgende Insel Sumbawa. Seit ich Bali verlassen hatte gab es kaum noch andere Touristen und ich war deshalb überall eine grosse Sensation. Von allen Seiten winkten mir die Leute zu und grüssten lautstark, und kaum hielt ich irgendwo an war ich auch schon von einer Menschenmenge umringt. Ich schätzte die enorm freundliche und offene Art der Menschen hier ja sehr, doch manchmal wurde es mir einfach zuviel an Aufmerksamkeit. Während der Mittagspause oder einem Kaffeehalt schaffte ich es kaum ein wenig auszuruhen, da ich ständig mit Fragen bestürmt oder einfach von dutzenden Augenpaaren stumm angestarrt wurde.

Dafür genoss ich die Fahrt über diese eher spärlich besiedelten und noch sehr ursprünglichen Inseln sehr. Die Küste bot oftmals einen fantastisch schönen Anblick, wie wenn sich beispielsweise steile Felsrücken mit ruhigen kleinen Sandbuchten abwechselten. Ganze Wälder von Kokospalmen neigten ihre Kronen leicht im Wind und in ihren Schatten duckten sich ein paar winzige Fischerhütten aus Bambusgeflecht. Die Männer fuhren abends in ihren kleinen Auslegerbooten zum Fischen aufs Meer hinaus und schienen den restlichen Tag gemütlich im Kreis der Familie und der Dorfgemeinschaft zu verbringen. Die Leute machten zwar einen armen aber eigentlich ganz zufriedenen Eindruck, da sie aus dem Meer offenbar genug zum Leben schöpfen.

Ein paar Mal war ich zufällig gerade am richtigen Ort für die Austragung einer inselweiten Meisterschaft in der lokalen Sportart. Auf Lombok ist das ein Wettkampf mit Holzkreiseln, wo zwei Teams versuchen die gegnerischen Kreisel wegzuschlagen und die Eigenen möglichst lange am Rotieren zu halten. Auf Sumbawa vergnügen sich die Leute lieber mit Wasserbüffelrennen in abgeernteten Reisfeldern, ein aufregendes und schlammspritzendes Spektakel. Selbst musste ich ständig Wettrennen mit den Kindern abhalten, die mich manchmal in ganzen Scharen auf ihren klapprigen Velos durch die Dörfer jagten. Der Verkehr war auf diesen Inseln glücklicherweise recht spärlich, wenn dann aber ziemlich verrückt. Völlig überladene Busse und Lastwagen überholten mich auf den schmalen und kurvigen Strässchen, und in den grösseren Orten herrschte jeweils ein völliges Chaos aus Pferdewagen, Motorrädern und anderen Fahrzeugen und ich versuchte mich bloss irgendwie heil durch das Wirrwarr zu schlängeln.

Am östlichsten Ende von Sumbawa angelangt, war mein leider bloss zwei Monate gültiges Touristenvisum schon fast abgelaufen und ich entschied, anstatt wie erst gedacht kurz aus dem Land auszufliegen und mit einem neuen Visum die Reise fortzusetzen gleich mit Fähren in den malaysischen Teil von Borneo hinauf auszureisen. Es bot sich gerade eine gute Verbindung an und so bestieg ich nach ein paar Tagen Warten das Schiff nach Makassar auf Sulawesi und nach einer Nacht Aufenthalt eine weitere Fähre nach Borneo hinauf. Die Fahrt dauerte vier ganze Tage doch war eigentlich ganz kurzweilig, da ich ständig neue Leute kennenlernte und mal hier zum Dominospiel aufgefordert oder von jemand anders zum Essen eingeladen wurde.
So bin ich vor einigen Tagen wieder in Malaysien angekommen und war erst ein wenig über den plötzlichen Wechsel schockiert. Kaum hatte ich die Grenzkontrolle passiert fühlte ich mich wie in einer anderen Welt, da der Unterschied vom sehr einfachen und wenig entwickelten östlichen Indonesien zum verhältnismässig modernen Malaysien enorm ist. Doch natürlich genoss ich es auch, wieder ein bisschen mehr Luxus in Form von besseren Strassen  und abwechslungsreicherem Essen zu haben!

Momentan verbringe ich gerade einige Tage mit Tauchen in einem fantastischen Revier, das die bisher gesehenen Unterwasserwelten in seinem Artenreichtum weit in den Schatten stellt. Einfach unglaublich was hier alles lebt, und ich als frisch ausgebildeter Scubadiver komme kaum mehr aus dem Staunen heraus. Doch eigentlich will ich euch erst im nächsten Bericht mehr über Borneo und meine Erlebnisse hier erzählen!

Bis dann und ganz liebe Grüsse

Roman
 

   
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