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20. Reisebericht vom 06.05.07 'Ende des Festlandes'
Position: Singapur, km 24'070

Der erste gute Eindruck, den ich von Malaysien hatte, bestaetigte sich weiterhin und ich bin ziemlich begeistert von diesem vielseitigen und freundlichen Land. Besonders da ich zuvor keine Ahnung hatte was mich hier erwarten wuerde...
Eine Besonderheit Malaysiens ist die kulturelle Vielfalt. Hier wohnen Chinesen, Inder und Malayen seit Generationen friedlich nebeneinander und koennen dabei ungestoert ihre Religion und Kultur leben.

So wurde ich nach einigen Tagen Radeln entlang der Westkueste von einer indischen Familie nach Hause eingeladen. An diesem Wochenende fand gerade ein hinduistisches Festival im nahen Tempel statt und ich erlebte zusammen mit meinem neuen Freund hautnah mit, wie sich Buesser in Trance versetzen und Spiesse und Haken durch die Wangen und den Ruecken stechen liessen und so zum Tempel hinauf wanderten. Ziemlich verrueckt das Ganze und eindruecklich zu sehen, was durch Trance moeglich ist, denn trotz der tiefen Wunden floss kein Tropfen Blut.
Daneben schaetzte ich all das feine indische Essen, das an den zahlreichen Staenden gratis ausgegeben wurde. Auch meine Gastfamilie verwoehnte mich wie es nur ging und bat mich staendig noch ein wenig zu bleiben, so dass ich mich erst eine knappe Woche spaeter wieder verabschiedete.

Durch ein paar kleinere Staedte mit huebschen Bauten im Kolonialstil (erst Portugiesen, spaeter Englaender) und einem richtigen Sultanspalast (fast jeder Teilstaat hat noch einen eigenen Sultan) zweigte ich von der Kueste ab in das bergige Innenland. Ein langer und schweisstriefender Aufstieg in die Cameron Highlands zeigte mir deutlich, dass meine vor ein paar Monaten noch top Bergform offenbar irgendwo im Flachland und an den Straenden Thailands verloren gegangen ist. Doch auch so schaffte ich es noch in das Hochtal auf etwa 1500 muM hinauf, das beruehmt fuer sein gemaessigtes Klima und viel Gemuese- und Blumenanbau ist. Eine grosse Attraktion fuer die lokalen Touristen sind hier Rosen und Tulpen, denen das tropische Klima im restlichen Land nicht zusagt und deshalb nur hier wachsen, wie auch Tee- und alle moeglichen Fruchtplantagen. Zusammen mit einem bestaendigen Nieselregen war es fuer meinen Geschmack schon ein wenig zu kuehl und ich sehnte mich schon wieder nach einem sonnigen Sandstrand, und so machte ich mich nach einer kurzen Pause wieder auf den Weg.
Ueber eine sehr einsame Strasse quer durch das Bergland und die ausgedehnten Waelder gelangte ich zum groessten und aeltesten Nationalpark in Malaysien. Der Wald in diesem Schutzgebiet soll mit ueber 130 Millionen Jahren weltweit einer der Aeltesten sein, da dieses Gebiet nie von einer Eiszeit betroffen war. Bei wieder waermerem Wetter und extrem hoher Luftfeuchtigkeit unternahm ich einige Wanderungen durch den sehr gruenen und stellenweise enorm dichten Wald, waehrend ich Scharen von Blutegeln von meinen Fuessen fernzuhalten versuchte. Immer wieder stiess ich auf Haufen von Elefantendung doch sah die wild lebenden Dickhaeuter leider nie, dafuer gab es eine Menge von Affen, Voegeln und Wildschweinen und in einer Hoehle tausende von Fledermaeusen, die in grosser Aufregung dicht um meinen Kopf schwirrten ohne mich jemals zu beruehren.

Schliesslich durchquerte ich noch den restlichen Teil der Halbinsel und erreichte bald die fantastische Ostkueste. Diese besteht zum groessten Teil aus traumhaften Sandstraenden, die sich zum Teil ueber dutzende von Kilometern erstrecken und groesstenteils voellig einsam und verlassen sind. Ich konnte  kaum glauben, warum abgesehen von ein paar Wochenendausflueglern aus Kuala Lumpur oder Singapur kaum Touristen hierher kommen, waehrend sie sich an anderen Orten am Strand draengeln.

In einer Gegend gibt es zudem zahlreiche kleinere Inseln und ich nahm die Gelegenheit war, einmal richtig Robinson zu spielen und ein paar Tage ganz alleine auf einer winzigen Insel zu verbringen. Ausgestattet mit Essensvorraeten und einem grossen Wasserkanister liess ich mich von einem Fischer  an den kleinen Sandstrand des aus dem Wasser ragenden Felsruecken bringen und versicherte mich, dass er mich ein paar Tage spaeter auch wirklich wieder abholen kam. Viel zu schnell verging die Zeit und ich bereute es schon, nicht laenger bleiben zu koennen, waehrend ich die Tage mit Angeln und Schnorcheln verbrachte und dabei nebst den ueblichen Fischen und Korallen einen Hai und sogar eine Meeresschildkroete beobachten konnte.

Nun folgte ich der Kueste entlang hinunter bis nach Johor Bahru, einer groesseren Stadt und so etwas wie der Vorort von Singapur. Dort beantragte ich ein Visum fuer Indonesien und genoss sogar wieder mal einen Kinobesuch und andere Annehmlichkeiten der Zivilisation, denn seit Bangkok war das mein erster Aufenthalt in einer groesseren Stadt.
Doch schon nach kurzer Zeit hatte ich genug vom hektischen und laermigen Stadtleben und da ich ueber eine Woche auf mein Visum warten musste, fuhr ich nochmals an die nahe Kueste. Unterwegs traf ich zufaellig ein spanisch-tschechisches Paar auf ihren Velos wieder, das ich kurz davor im Hotel kennen gelernt hatte. Da wir uns auf Anhieb sehr gut miteinander verstanden entschieden wir kurzerhand, die naechsten Tage gemeinsam an einem kleinen Strand zu verbringen. Ich genoss es sehr wieder einmal ein bisschen Gesellschaft zu haben, waehrend wir die Tage gemuetlich mit ausgiebigem Kochen auf dem Feuer, Schwimmen und viel Jonglieren verbrachten. In einer Vollmondnacht konnten wir sogar eine Meeresschildkroete beobachten, die zum Eier legen an den Strand gekrochen kam, ein Ereignis das leider auch hier immer seltener zu sehen ist!

Schliesslich war es Zeit mein Visum abzuholen und ueber die Bruecke nach Singapur hinueber zu fahren. Auf den staedtischen Schnellstrassen radelte ich stundenlang in die Innenstadt hinunter und erreichte damit den suedoestlichsten Punkt des asiatischen Festlandes. Von hier aus geht es nur noch mit dem Schiff weiter! Genau das habe ich auch vor, und in ein paar wenigen Tagen werde ich die grosse Faehre weiter nach Indonesien nehmen und waehrend den naechsten Monaten ein wenig die verschiedenen Inseln dieses Landes erkunden.

Bis zum naechsten Mal und liebe Gruesse
Roman

   
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