18. Reisebericht vom 02.03.07 ‘In die Luft
und zu Wasser’
Position: Hua Hin, Thailand, km 20’800
Während den vergangenen Wochen
bin ich nicht sehr viel auf dem Velo gesessen. Statt dessen habe ich
mich in ein paar anderen Disziplinen versucht und viel Neues
gelernt, was eine ganz gute Abwechslung zum Velofahreralltag
darstellte.
Begonnen hat es damit, dass ein
Produzent fürs deutsche Fernsehen jemanden suchte der einen Kurs im
Ultralight Fliegen machen wollte. Er arbeitete gerade an einem
Beitrag über Leute, die nach Thailand kommen um etwas Neues zu
lernen, und ein Teil davon war neben Elefanten reiten und Thaiboxen
das Fliegen. Natürlich erklärte ich mich gerne bereit dazu, da ich
so etwas schon immer gerne selbst ausprobiert hätte.
So trafen wir schon bald darauf
auf dem kleinen Flugfeld ausserhalb von Pattaya ein, Alex der
Produzent, ein Kameramann und ich. Wir hatten uns früh morgens mit
Tom, meinem schottischen Fluglehrer verabredet, um die erste
Flugstunde abzuhalten und gleichzeitig natürlich Aufnahmen für das
Fernsehen zu machen.
Ich war nicht wenig überrascht, als mich Tom gleich zu Beginn vorne
in dem zweiplaetzigen Fluggerät einsteigen liess. Also nichts mit
einem gemütlichen kleinen Rundflug, wie ich es zum Einstieg
eigentlich erwartet hätte. Kurz darauf knatterte der Propeller und
wir rollten auf die Startbahn hinaus, und bevor ich richtig
realisierte was geschah, befanden wir uns schon in der Luft. Ein
aufregendes Gefühl, vor allem in einer solch kleinen Maschine! Das
Besondere daran ist, dass man draussen sitzt und gleichzeitig sehr
tief und relativ langsam fliegen kann.
Schon ab der ersten Lektion
überliess Tom das Fliegen grösstenteils mir und gab mir bloss wenn
nötig Anweisungen über die Gegensprechanlage oder griff auch mal
helfend am Flügel ein, notfalls konnte er die Maschine auch vom
Rücksitz aus steuern, so wie das eine Mal als wir wegen
Motorproblemen eine ernsthafte Notlandung hinlegen mussten.
Ich war ziemlich überrascht, wie einfach das Fliegen eigentlich zu
erlernen ist und wie schnell ich mit den Bewegungen der Maschine
vertraut wurde. Die grösste Schwierigkeit lag darin, wieder heil auf
den Boden zurück zu kommen, und so galt dann in der zweiten Hälfte
des Kurses die Aufmerksamkeit hauptsächlich dem Üben der Landung.
Nach etwas mehr als einer Woche und knapp 15 Flugstunden in meinem
Logbuch war es schliesslich so weit, dass ich zum ersten Alleinflug
starten konnte. Natürlich war ich sehr nervös als ich alleine in die
Maschine einstieg, versuchte aber ruhig zu bleiben. Jetzt gab es
keine Notbremse mehr, alles musste stimmen und von mir selbst
richtig eingeschätzt werden! Doch alles verlief ohne Schwierigkeiten
und nach einem kurzen Rundflug und einer leicht holprigen, aber gar
nicht so schlechten Landung befand ich mich mit immer noch zittrigen
Knien schon wieder auf dem sicheren Boden. Nach ein paar weiteren
Solofluegen und gleichzeitigen Filmaufnahmen war dann der Kurs für
mich auch schon zu Ende, da es nicht darum ging die Fluglizenz zu
machen, sondern bloss selbständig fliegen zu können.
Darauf hin kehrte ich nochmals
zu meinen Freunden in Bangkok zurück um mich auf die Weiterreise
vorzubereiten. Ich gönnte mir nochmals ein paar ruhige Tage, denn
schliesslich war der Flugunterricht ziemlich anstrengend gewesen,
bevor ich mein Velo seit Langem wieder einmal bepackte und mich auf
den Weg quer durch die Stadt und Richtung Süden machte.
Kurz unterhalb der Stadt zweigte ich von der verkehrsreichen
Hauptstrasse ab auf eine kleine Nebenroute durch die Mangrovensümpfe
entlang der Küste. Leider ist von den einstmaligen Mangrovenwaeldern
nicht mehr viel übrig, statt dessen gibt es überall riesige Farmen
fuer Muscheln und anderes Meeresgetier. Dafür traf ich viele
äusserst freundliche Leute, die hier offenbar kaum an fremde
Besucher gewöhnt waren.
Nach einigen weiteren Tagen
Fahrt mit dem Besuch von einem schwimmenden Markt in einem kleinen
Dorf und einem Tempel in einer Höhle mit einer riesigen Buddhastatue
darin, fühlte ich mich schon wieder reif für eine Pause. Die paar
wenigen Tage unterwegs waren ziemlich anstrengend gewesen, da ein
beständiger heftiger Gegenwind wehte und gleichzeitig die Temperatur
kontinuierlich über die 30 Grad Marke stieg. Dazu kam noch, dass ich
wegen einer Horde neugieriger Affen meinen kleinen Computer verloren
hatte und zudem entging ich relativ knapp einem verheerenden Unfall,
als sich von einem vorbeifahrenden Lastwagen der Anhänger löste und
über meine Fahrbahn hinweg in den Strassengraben donnerte.
Ich hatte gerade einen typischen Ferienort am Meer erreicht, mit
langen Sandstränden und einem ausgeprägten Nachtleben. Dort
entdeckte ich bald eine Kitesurfing Schule und entschied, einen
weiteren Kurs in dieser noch relativ jungen Wassersportart zu
absolvieren.
Dabei lässt man sich von einem grossen Lenkdrachen auf einem
Surfbrett über das Wasser ziehen, was gar nicht so einfach ist wie
es bei den vielen geübten Surfern am Strand aussah. Die grösste
Schwierigkeit besteht in der Kontrolle des auf die feinste Bewegung
reagierenden Drachens und damit verbunden dem nötigen Vorwaertszug
für ein gleichmässiges Gleiten.
Nun habe ich die drei Tage Unterricht gerade hinter mir und bin so
weit gelangt, dass ich es mit Mühe und Not schaffe, im Wasser auf
das Brett zu steigen und mich ein Stück weit ziehen zu lassen. Nun
wäre viel selbständiges Üben angesagt, was ich wahrscheinlich später
an anderen Orten machen werde, denn mittlerweile findet man solche
Zentren schon an relativ vielen Stränden.
Ich habe nun auch entschieden,
dass ich meine Reise nicht mehr in erster Linie so lange wie möglich
ausdehnen und rein aufs Velofahren konzentrieren möchte, sondern
lieber noch einige der zahlreichen Möglichkeiten für andere
Aktivitäten nützen werde. Schliesslich findet man hier in Thailand
und den folgenden Ländern einige der besten Destinationen überhaupt
zum Tauchen, Surfen oder was auch immer und es waere ja schade,
diese einfach so ungenutzt zu lassen.
Meine vorläufige Route sieht nun so aus, dass ich von Suedthailand
weiter nach Malaysien und Indonesien fahren werde, später eventuell
noch auf die Philippinen. Von dort aus wird es erst einmal zurueck
nach Bangkok gehen, da ich recht viel Gepäck bei meinen Freunden
dort deponiert habe. Schliesslich werde ich die nächsten Monate kaum
warme Kleider oder einen richtigen Schlafsack brauchen..
Danach, also etwa gegen Ende Sommer, werde ich sehen wie und ob die
Reise von dort aus weiter geht und wozu ich noch Lust habe.
Ich grüsse euch alle ganz
herzlich und bis zum nächsten Bericht!
Roman