bilder    zurück

   

17. Reisebericht vom 31.01.07 'Am Ziel angekommen'
Position: Bangkok, Thailand, km 19908

Koordinaten: N 13º 43' 37'', E 100º 30' 12''

Über die so genannte Freundschaftsbrücke gelangte ich von Vientiane in Laos nach Thailand und erreichte damit das vorläufig letzte Land meiner Reise. Nach der üblichen Passkontrolle von einem nicht sehr freundschaftlich wirkenden Zöllner musste ich erst einmal die Strassenseite wechseln und mich an den Linksverkehr gewöhnen. Vorläufig war das noch nicht so ein Problem, denn ich folgte einer winzigen Strasse dem Mekong und damit der Grenze entlang, wo es meist so gut wie keinen Verkehr gab und einige Male ertappte ich mich dabei, wie ich auf der falschen Strassenseite fuhr und erst durch ein entgegen kommendes Fahrzeug wieder daran erinnert wurde.
Nach ein paar Tagen verliess ich diese Route und nahm direkten Kurs auf Bangkok zu. Hier im mittleren Teil von Thailand breitet sich eine riesige Ebene aus mit viel landwirtschaftlich genutzter Fläche und dichter Besiedelung, und ich fand mich bald auf einem mehrspurigen Highway wieder. Da die Fahrt nun nicht mehr sonderlich interessant war, startete ich zu einem richtigen Endspurt und legte die verbleibenden 500 km in gerade mal drei Tagen zurück.
Ein unbeschreibliches Gefühl erfüllte mich, als ich durch zunehmend dichteren Verkehr und mit einem Abstecher über die städtische Autobahn schliesslich erschöpft beim Haus meiner in Bangkok wohnhaften Freunde ankam. Nach fast einem Jahr unterwegs hatte ich mein grosses Ziel erreicht und so genoss ich während den folgenden Tagen ausgiebig die Ruhe und Entspannung in ihrem schön gelegenen Zuhause.
Erst nach mehr als einer Woche stieg ich nochmals für ein paar Tage aufs Velo und unternahm während ein paar Tagen einen Ausflug an die Küste unterhalb der Stadt. Schliesslich hatte ich mich schon lange aufs Baden im Meer gefreut und schaffte es trotz zahlreichen Feriensiedlungen und Hotelbunkern, einige ruhige Strandabschnitte zu finden.

Wieder zurück in der Stadt musste ich mich schon bald zum Flughafen aufmachen, wo ich nach ungeduldigem Warten endlich meine Mutter und meine ältere Schwester begrüssen durfte. Da ich ja noch nicht so bald in die Schweiz zurück kehren werde hatten sie sich entschlossen, ihre Winterferien mit einem Besuch in Thailand zu verbringen. Natürlich genossen wir unser Wiedersehen sehr, während wir nach Chiang Mai im Norden des Landes fuhren und anschliessend noch ein paar Tage am Strand unterhalb von Bangkok verbrachten.

Jetzt ist es ziemlich genau ein Jahr her, dass ich von zu Hause aufgebrochen bin und mich auf den Weg hierher gemacht habe. Dieses Jahr unterwegs war ungemein reich an Begegnungen und Erlebnissen und auch wenn es oft mühsam und hart war, möchte ich keinen Tag davon vermissen. Egal ob die zum Teil ziemlich extremen klimatischen Verhältnisse, die Einsamkeit in den Weiten Tibets oder grenzenlose Enttäuschung nach dem Verlust eines Grossteils meiner Fotografien oder dem Diebstahl meines Velos, schliesslich hat doch alles davon zum Erlebnis beigetragen und mich etwas gelehrt.
Etwas vom Beeindruckensten der ganzen Reise fand ich die vielen Begegnungen mit Menschen aus den verschiedensten Kulturen und ihre ständige Hilfsbereitschaft und Offenheit. Ich staunte oft, wie ich fast überall als willkommenen Gast behandelt wurde und das oftmals von Leuten, die selbst kaum genug zum Leben haben.
Dabei hat sich wieder bestätigt, dass das Velotouren für mich die nahezu ideale Art zu Reisen darstellt. Das langsame Tempo liess mich die Umgebung intensiv erleben und feine Veränderungen wahrnehmen, wie auch die Distanzen wirklich am eigenen Leib erfahren. Auch der Wind und das Wetter hatten natürlich einen grossen Einfluss auf mein Befinden, gleich wie die topografischen Verhältnisse.
Meist fühlte ich mich auf dem Velo auch nicht so als ‘Tourist’ und stellte oft fest, wie nebensächlich für mich einzelne Städte oder sonstigen Attraktionen waren und dafür die Strecke dazwischen mit all ihren unspektakulären Erlebnissen und unscheinbaren 'Sehenswürdigkeiten' um so wichtiger wurde.

Nun sehen meine Pläne so aus, dass ich gelegentlich wieder aufs Velo steigen und vorerst weiter in den Süden von Thailand fahren werde. Momentan bin ich mir immer noch etwas unschlüssig über den weiteren Verlauf der Route und muss dazu erst noch ein paar Möglichkeiten abklären. Die Idee, auf einer anderen Route zurück nach Hause zu fahren, hat sich für mich schon länger zu einem festen Vorhaben entwickelt. Gerne würde ich dabei über Indien und Pakistan reisen, doch muss ich erst noch eine Möglichkeit finden um dort hin zu gelangen. Durch Myanmar nach Indien zu fahren ist leider nach wie vor fast unmöglich, da in diesem Land sehr strikte Ein- und Ausreisevorschriften gelten und ich kaum die Erlaubnis bekommen würde, das Land mit dem Velo zu durchqueren. Vielleicht findet sich ja eine Gelegenheit, mit einer Segeljacht den indischen Ozean zu überqueren, und falls nicht bleibt mir eigentlich nur der Weg wieder über China und Tibet nach Nepal und weiter nach Indien.
Jedenfalls kann und möchte ich mich momentan noch nicht festlegen, und werde wahrscheinlich auch eher spontan entscheiden, wie es weiter gehen soll. Trotzdem werde ich euch so gut wie möglich auf dem Laufenden halten und meine Absichten bekannt geben. Aktuelle Informationen dazu finden sich wie immer auf der Seite ‘Route’.

Ich grüsse euch nun ganz herzlich aus dem sonnigen und warmen Thailand und bedanke mich bei dieser Gelegenheit wieder einmal für alle eure aufmunternden Emails und Gästebucheinträge, die mich immer sehr freuen.

Bis zum nächsten Mal,
Roman

   
drucken  

Oben