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16. Reisebericht
vom 04.01.2007 'Sabaidee und französische Baguettes' Es dauerte nochmals einige Tage, bis ich die Grenze zu Laos erreichte. Die Gegend war weiterhin sehr hügelig, und meist entweder von noch intakt scheinenden tropischen Regenwäldern bewachsen oder dann aber gerodet und mit regelmässigen Reihen von Teebüschen bepflanzt. Schliesslich ist die Region in diesem südwestlichsten Teil von China bekannt für die besten Teesorten des Landes wie auch für das grösste zusammenhängende Regenwaldgebiet. Sogar Wildelefanten sollen hier noch leben, wie einige Schilder am Strassenrand verrieten, doch leider habe ich bisher noch keinen dieser Kolosse zu Gesicht bekommen. Es war ein nebliger und kühler Morgen, als ich schliesslich die Grenze nach Laos überquerte. Die Grenzbeamten schienen und noch nicht richtig Lust zum Arbeiten zu haben und stempelten bloss mürrisch meinen Pass ab und schickten mich ohne irgendwelche Kontrollen weiter. Die Strasse war vorerst noch breit und sehr gut ausgebaut, offenbar von den Chinesen gesponsert. Dies änderte sich aber schlagartig, als ich das erste grössere Dorf erreichte und sich die Strasse teilte. Sicherheitshalber fragte ich beim Geldwechseln in einem kleinen Restaurant nochmals nach, denn ich konnte nicht so richtig glauben, dass diese winzige und häufig mit grobem Schotter geflickte Strasse wirklich die Hauptverbindung und einzige Route in den Süden sein sollte! Die Fahrt durch den weiterhin
sehr bergigen Norden des Landes war besonders daher interessant, da
es so viel Neues zu entdecken und ich mich an eine völlig andere
Kultur zu gewöhnen hatte. An den steilen und meist von dichtem Busch bewachsenen Hängen wird bloss wenig Ackerbau betrieben, meist sieht man eher Fruchtplantagen oder kleine Gemüsegärten. Oft habe ich den Eindruck, dass die Leute noch hauptsächlich als Jäger und Sammler leben, also von dem was die Natur ihnen bietet. Sehr viel scheint das aber auch nicht zu sein und ich beobachte ein paar Mal, wie morgens am Feuer Mäuse oder eine Schlange gegrillt werden oder Männer am Strassenrand mit altertümlichen Vorderlader-Schrotflinten ein Federvieh zu schiessen versuchen. Da das Land mit seinen knapp sechs Millionen Einwohnern sehr dünn besiedelt ist, gibt es nur ein paar wenige Städte und diese sind meist noch sehr verschlafen wirkende Nester. Einzig die Hauptstadt Vientiane macht einen eher städtischen Eindruck und scheint momentan einen regelrechten Bauboom und Modernisierungsprozess zu erleben. In den kleineren Orten findet man noch viel mehr Tempelanlagen ('Wats') als moderne Gebäude und zahlreiche Häuser im französischen Kolonialstil. Auch sonst trifft man noch häufig auf Spuren der Kolonialzeit: Männer treffen sich zum Boules spielen, an Strassenständen werden französische Baguettes verkauft, Strassen oder öffentliche Gebäude tragen oft noch französische Namen. Das Land mit seiner nach wie vor streng kommunistischen Regierung hat sich erst vor etwas mehr als einem Jahrzehnt dem Tourismus geöffnet. Seither wird es förmlich von einer Besucherwelle überrollt und ich war in der ersten kleinen Stadt richtig geschockt über die grosse Anzahl von hauptsächlich westlichen, aber auch asiatischen Reisenden. Natürlich ist das Geschäft mit den Touristen für viele Leute hier eine der ganz wenigen Einkommensquellen die sich anbieten, doch gleichzeitig bringt es auch all die negativen Effekte mit sich die man schon aus den umliegenden Ländern kennt, wie zum Beispiel Drogenhandel und Kinderprostitution. Dies steckt zwar momentan alles noch in den Anfängen, wird sich aber im Laufe der kommenden Jahre sicherlich schnell weiter entwickeln. Ehrlich gesagt habe ich immer
noch ein wenig Mühe, mich an die südostasiatische Mentalität und die
Art der Menschen zu gewöhnen und auch das Schreiben über die
vergangenen Wochen fällt mir momentan nicht gerade leicht. Trotz all dem geniesse ich meinen Aufenthalt hier und bin sehr angetan von der Exotik dieser Gegend. Landschaftlich ist Laos eines der schöneren Länder meiner bisherigen Reise, und das zu dieser Jahreszeit angenehm warme Klima und die Vielzahl von tropischen Früchten tragen einiges zum Genuss bei. So nehme ich auch das Velofahren nun immer lockerer, besonders da überall interessante Dinge wie Wasserfälle oder Höhlen zum Erkunden einladen oder ich gerne an einem schönen Plätzchen an einem Fluss oder See anhalte und ein bisschen Schwimmen gehe. Auch treffe ich fast täglich andere Velofahrer, von denen die Meisten einfach ein paar Wochen Winterferien verbringen und so bietet sich immer mal Gelegenheit für einen kurzen Schwatz oder etwas Erfahrungsaustausch. Nun warte ich bloss noch darauf, dass ich mein Visum für Thailand abholen kann und dann geht es weiter über die Grenze. Bangkok ist ja nur noch einen Katzensprung entfernt! Bis dahin wünsche ich euch eine
gute Zeit und lasse grüssen,
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