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16. Reisebericht vom 04.01.2007 'Sabaidee und französische Baguettes'
Position: Vientiane, Laos P.D.R km 18'450

Koordinaten:
N 17º 58' 30'', E 102º 36' 00''

Es dauerte nochmals einige Tage, bis ich die Grenze zu Laos erreichte. Die Gegend war weiterhin sehr hügelig, und meist entweder von noch intakt scheinenden tropischen Regenwäldern bewachsen oder dann aber gerodet und mit regelmässigen Reihen von Teebüschen bepflanzt. Schliesslich ist die Region in diesem südwestlichsten Teil von China bekannt für die besten Teesorten des Landes wie auch für das grösste zusammenhängende Regenwaldgebiet. Sogar Wildelefanten sollen hier noch leben, wie einige Schilder am Strassenrand verrieten, doch leider habe ich bisher noch keinen dieser Kolosse zu Gesicht bekommen.

Es war ein nebliger und kühler Morgen, als ich schliesslich die Grenze nach Laos überquerte. Die Grenzbeamten schienen und noch nicht richtig Lust zum Arbeiten zu haben und stempelten bloss mürrisch meinen Pass ab und schickten mich ohne irgendwelche Kontrollen weiter. Die Strasse war vorerst noch breit und sehr gut ausgebaut, offenbar von den Chinesen gesponsert. Dies änderte sich aber schlagartig, als ich das erste grössere Dorf erreichte und sich die Strasse teilte. Sicherheitshalber fragte ich beim Geldwechseln in einem kleinen Restaurant nochmals nach, denn ich konnte nicht so richtig glauben, dass diese winzige und häufig mit grobem Schotter geflickte Strasse wirklich die Hauptverbindung und einzige Route in den Süden sein sollte!

Die Fahrt durch den weiterhin sehr bergigen Norden des Landes war besonders daher interessant, da es so viel Neues zu entdecken und ich mich an eine völlig andere Kultur zu gewöhnen hatte.
Ziemlich offensichtlich war, dass zumindest die Leute in den verstreut liegenden kleinen Bergdörfern offenbar noch sehr einfach und auf traditionelle Weise leben. Die Häuser bestehen meist aus einem Holzgerüst mit geflochtenen Bambusmatten als Wände und einem Schilfdach. Davor steht aber auch schon fast immer eine riesige Satellitenschüssel, zumindest sofern das Dorf schon ans Stromnetz angeschlossen ist. Überall gibt es scharenweise Kinder die oft nur darauf zu warten scheinen, dass sich wieder mal ein Velofahrer in ihr Dorf verirrt, damit sie ihm stürmisch zuwinken und mit dem laotischen 'Sabaidee'! und einem allgegenwärtigen strahlenden Lächeln grüssen können. Meist habe ich alle Hände voll zu tun, wenn ich durch so ein Dorf fahre: Grüsse erwidern, den Kindern zuwinken, ein paar Schweinen oder Hühnern oder auch mal einem Sammeltaxi oder Motorrad ausweichen... echt verrückt. Nur gut, dass es meist sehr wenig Verkehr gibt!

An den steilen und meist von dichtem Busch bewachsenen Hängen wird bloss wenig Ackerbau betrieben, meist sieht man eher Fruchtplantagen oder kleine Gemüsegärten. Oft habe ich den Eindruck, dass die Leute noch hauptsächlich als Jäger und Sammler leben, also von dem was die Natur ihnen bietet. Sehr viel scheint das aber auch nicht zu sein und ich beobachte ein paar Mal, wie morgens am Feuer Mäuse oder eine Schlange gegrillt werden oder Männer am Strassenrand mit altertümlichen Vorderlader-Schrotflinten ein Federvieh zu schiessen versuchen.

Da das Land mit seinen knapp sechs Millionen Einwohnern sehr dünn besiedelt ist, gibt es nur ein paar wenige Städte und diese sind meist noch sehr verschlafen wirkende Nester. Einzig die Hauptstadt Vientiane macht einen eher städtischen Eindruck und scheint momentan einen regelrechten Bauboom und Modernisierungsprozess zu erleben. In den kleineren Orten findet man noch viel mehr Tempelanlagen ('Wats') als moderne Gebäude und zahlreiche Häuser im französischen Kolonialstil. Auch sonst trifft man noch häufig auf Spuren der Kolonialzeit: Männer treffen sich zum Boules spielen, an Strassenständen werden französische Baguettes verkauft, Strassen oder öffentliche Gebäude tragen oft noch französische Namen.

Das Land mit seiner nach wie vor streng kommunistischen Regierung hat sich erst vor etwas mehr als einem Jahrzehnt dem Tourismus geöffnet. Seither wird es förmlich von einer Besucherwelle überrollt und ich war in der ersten kleinen Stadt richtig geschockt über die grosse Anzahl von hauptsächlich westlichen, aber auch asiatischen Reisenden. Natürlich ist das Geschäft mit den Touristen für viele Leute hier eine der ganz wenigen Einkommensquellen die sich anbieten, doch gleichzeitig bringt es auch all die negativen Effekte mit sich die man schon aus den umliegenden Ländern kennt, wie zum Beispiel Drogenhandel und Kinderprostitution. Dies steckt zwar momentan alles noch in den Anfängen, wird sich aber im Laufe der kommenden Jahre sicherlich schnell weiter entwickeln.

Ehrlich gesagt habe ich immer noch ein wenig Mühe, mich an die südostasiatische Mentalität und die Art der Menschen zu gewöhnen und auch das Schreiben über die vergangenen Wochen fällt mir momentan nicht gerade leicht.
Einerseits sind die Leute von einer unglaublichen Herzlichkeit und ein strahlendes Lächeln und ausgesprochene Freundlichkeit gehören bei jeder Begegnung selbstverständlich dazu. Anderseits hatte ich schon oft den Eindruck, dass wir 'Farangs' (Ausländer) gerne ein wenig belächelt und leider immer mehr einfach als Geldbringer angesehen werden, und ich fragte mich dann manchmal über die Ehrlichkeit des freundlichen Auftretens der Leute. Besonders wenn ich nun mit meinen Erfahrungen in anderen Kulturen vergleiche, wo ich mich häufig als willkommener Gast gefühlt habe und nicht bloss als Quelle für ein paar schnelle Dollars. Bleibt bloss zu hoffen, dass sich dieser Trend hier nicht noch weiter verstärkt und die Leute ihre liebenswürdige Art beibehalten können.

Trotz all dem geniesse ich meinen Aufenthalt hier und bin sehr angetan von der Exotik dieser Gegend. Landschaftlich ist Laos eines der schöneren Länder meiner bisherigen Reise, und das zu dieser Jahreszeit angenehm warme Klima und die Vielzahl von tropischen Früchten tragen einiges zum Genuss bei. So nehme ich auch das Velofahren nun immer lockerer, besonders da überall interessante Dinge wie Wasserfälle oder Höhlen zum Erkunden einladen oder ich gerne an einem schönen Plätzchen an einem Fluss oder See anhalte und ein bisschen Schwimmen gehe. Auch treffe ich fast täglich andere Velofahrer, von denen die Meisten einfach ein paar Wochen Winterferien verbringen und so bietet sich immer mal Gelegenheit für einen kurzen Schwatz oder etwas Erfahrungsaustausch.

Nun warte ich bloss noch darauf, dass ich mein Visum für Thailand abholen kann und dann geht es weiter über die Grenze. Bangkok ist ja nur noch einen Katzensprung entfernt!

Bis dahin wünsche ich euch eine gute Zeit und lasse grüssen,
Roman

 

   
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