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15. Reisebericht vom 11.12.06 'Wieder unterwegs in tropische Gefilde'
Position: Simao, Südwestchina. km 17'800

Koordinaten: 22º 46' 08" N, 100º 58' 12" E

Wie versprochen melde mich diesmal etwas früher als sonst üblich mit einem weiteren Bericht, da ich vorher ja längere Zeit nichts von mir hören liess. Auch kann ich euch diesmal wieder mehr Bilder präsentieren, da mir eine sehr nette Person eine vorzeitige Weihnachtsüberraschung beschert und eine neue Kamera gesponsert hat. Ganz, ganz herzlichen Dank!

Mein Aufenthalt in Kunming hat sich schliesslich noch länger hingezogen als erwartet. Der Versand meines Ersatzvelos aus der Schweiz verlief bis nach China sehr schnell und reibungslos, doch dann dauerte es nochmals eine gute Woche bis der Zoll das Paket frei gab und ich es endlich in Empfang nehmen durfte. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind unter dem Weihnachtsbaum, als ich den gut verpackten Karton und das zerlegte Velo darin von all dem Klebeband befreite. Nun konnte ich erst richtig aufschnaufen, denn eine kurze Überprüfung zeigte dass nichts beschädigt und alle nötigen Teile vorhanden waren.
Der Zusammenbau war bald erledigt und ich konnte eine erste Probefahrt durch die Stadt unternehmen. Das Velo ist praktisch genau das Gleiche wie ich vorher hatte, ausser dass ich nun auf eine gefederte Gabel verzichte.

Kurze Zeit später verabschiedete ich mich mit zwiespältigen Gefühlen von der Stadt und meinen dortigen Freunden. Natürlich hatte ich mich schon lange darauf gefreut, meine Reise endlich fortsetzen zu können, andererseits fiel mir der Abschied nach einem Monat Aufenthalt mit vielen neuen Bekanntschaften nicht gerade leicht.
Kaum sass ich wieder im Sattel und suchte meinen Weg zur Stadt hinaus, musste ich meine ganze Aufmerksamkeit dem Verkehr widmen und hatte daher vorerst keine Gelegenheit, sentimentalen Gedanken nachzuhängen. Schliesslich dauerte es auch nicht lange, bis ich das Velofahren und Unterwegssein wieder richtig geniessen und mich ganz dem Erleben des Hier und Jetzt hingeben konnte.

Die unfreiwillige Pause schien meinem Körper ganz gut getan zu haben und ich realisierte erst jetzt so richtig, wie ausgebrannt ich nach der langen Fahrt durch den Tibet eigentlich gewesen bin. Ich konnte all die frisch angelegten Reserven auch gleich brauchen, denn die Fahrt auf der kleinen und oftmals sehr holprigen Strasse durch das weitläufige Hügelland zum südlichsten Zipfel von China hinunter war weiterhin sehr anstrengend. Fast täglich bewältigte ich ähnlich lange Steigungen wie das zuvor im Tibet der Fall gewesen ist, mit dem grossen Unterschied, dass ich mich nun in tieferen Lagen befinde. Seit einem knappen halben Jahr gelangte ich erstmals wieder auf unter tausend Meter Meereshöhe!
Während das Klima in Kunming noch angenehm hebstlich-kühl gewesen ist, wurde es in den vergangenen Tagen schnell ziemlich warm und die Luftfeuchtigkeit stieg spürbar an. Vor Kurzem überquerte ich den Wendekreis des Krebses, eine Linie etwa 23º nördlich des Äquators und offizieller Beginn der Tropenzone. Entsprechend hat sich auch die Vegetation verändert, die Wälder sind nun das reinste Dickicht und überall wachsen haufenweise Bananenpalmen und andere tropische Früchte. Am Strassenrand und in den Märkten werden überall Mandarinen, Papayas, Bananen und andere Köstlichkeiten praktisch frisch vom Baum angeboten, und ich ernähre mich noch so gerne zu einem grossen Teil davon.
Auch die Leute sind in dieser Gegend Nahe des Dreiländerecks Myanmar, Laos und China viel offener und herzlicher, als ich sie im übrigen China erlebt habe. Zwar leben auch hier viele Han-Chinesen (der Hauptteil der Landesbevölkerung und eben die 'typischen' Chinesen), doch machen hier verschiedenste Minderheiten und eher den Südostasiaten verwandte Volksgruppen die Mehrheit aus. Oft werde ich von Leuten angesprochen und nach dem Woher und Wohin ausgefragt, bekomme Tee oder Früchte angeboten und allen Gemeinsam ist dabei immer ein freundliches Lachen im Gesicht. Kürzlich wollte mir ein einfacher Bauer sogar etwas von seinem sicherlich nicht sehr reichlichen Geld schenken, da er nicht verstehen konnte warum ich mit dem Velo reise und im Zelt schlafe, während es ganz in der Nähe ein Hotel gab. Ob ich denn gar kein Geld habe...?

Nach bald viereinhalb Monaten China habe ich nun bloss noch ein paar wenige Tage in diesem vielfältigen Land vor mir. Wird auch langsam nötig dass ich weiter komme, da ich nach Mitte Januar in Bangkok ankommen sollte und die Zeit dafür bald etwas knapp wird. Da ich schon länger entschieden habe, meine ursprünglich geplante Reise fortzusetzen und ich daher noch nicht so bald in die Schweiz zurück kehren werde, erhalte ich in Thailand Besuch von einem Teil meiner Familie, worauf ich mich natürlich schon sehr freue!

Nun warte ich bloss noch darauf, dass mir an Stelle von Weihnachtsglocken irgendwo aus dem Gebüsch die ersten Elefanten entgegen trompeten und werde mich dann bei nächster Gelegenheit aus Laos melden!
Bis dahin wünsche ich euch allen eine schöne Adventszeit und versuche mir winterliche Landschaften vorzustellen, während mir der Schweiss nur so von der Stirn trieft.

Liebe Grüsse,
Roman

 

   
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