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14. Reisebericht
vom 15.11.06 ‘Unerwarteter Zwischenfall’ Kürzlich haben die Ereignisse hier eine völlig unerwartete Wendung genommen und meine Reisepläne ein wenig durcheinander gebracht oder zumindest verzögert. Ich melde mich deshalb etwas kürzer als sonst üblich und hoffe, bei einer späteren Gelegenheit noch ein paar Fotos liefern zu können. Von Lijiang aus fuhr ich im gemütlichen Tempo ein paar Tage weiter
nach Dali, wunderschön gelegen am Fusse einer steilen Bergkette
direkt am Ufer des Erhai Sees. Auch hier gab es eine hübsche
Altstadt der Bai Minderheit zu besichtigen, mit kleinen Holzhäusern
und verwinkelten Gassen, die aber ähnlich wie in Lijiang von der
chinesischen Regierung viel zu gut restauriert wurde und nun
ebenfalls Horden von Touristen anzieht. Nach diesem kurzen Zwischenhalt in Dali machte ich mich auf den Weg
in die Metropole Kunming, der Provinzhauptstadt dieser südwestlichen
Region Yunnan. Dort hatte ich vor, eine etwas längere Pause
einzulegen und mich unter Anderem um Visas für die Weiterfahrt zu
kümmern. Schliesslich habe ich schon bald die südlichste Spitze von
China erreicht und werde von hier aus bald nach Laos weiter reisen. Die folgende Woche gestaltete sich ziemlich lebhaft, geprägt von
viel Nachtleben und wenig Schlaf. Dank Michael hatte ich schnell
einige Leute kennen gelernt und so war ich mit ihnen ständig
irgendwo unterwegs. Doch nun endlich zu diesem eingangs angekündigten Zwischenfall. Am Tag vor meiner Abreise war ich nochmals mit dem Velo in der Stadt unterwegs um ein paar letzte Dinge zu erledigen. Während einer kurzen Mahlzeit in einem Restaurant geschah das absolut Unerwartete: mein Velo wurde gestohlen, das ich in Sichtweite vor dem Restaurant geparkt und abgeschlossen hatte! Ich konnte erst gar nicht fassen, was innerhalb so kurzer Zeit geschehen war und realisierte erst später beim endlos langen Polizeirapport das Ausmass dieses Ereignisses. Mein treuer und verlässlicher zweirädriger Begleiter, mein bester Freund auf tausenden von Kilometern war einfach verschwunden, in den Händen von einem dreisten Dieb der nicht annähernd eine Ahnung haben konnte, was für einen nicht nur materiellen, sondern viel mehr emotionalen Verlust er mir da zugefügt hatte! Nachdem ich den ersten Schock ein wenig verdaut hatte, musste ich
mir natürlich bald Gedanken über den weiteren Verlauf meiner Reise
machen. Eigentlich gab es da gar nicht viel zu überlegen. Der
Entschluss, dass die Reise wie geplant, wenn auch mit ein bisschen
Verzögerung weiter gehen soll, stand für mich bald fest. Nun ging es
bloss darum, wieder ein brauchbares Reisevelo zu finden, etwas das
sich als schwieriger herausstellte als ich erst gedacht hatte. Hier
in der Stadt gibt es zwar einige ganz gute Fahrradgeschäfte mit
allen möglichen Komponenten im Angebot, doch sind diese viel mehr
auf Mountainbike- und Strassenrennsport als auf Velotouren
ausgelegt. So ein Ultraleicht-High Tech Gefährt ist genau das
Gegenteil von dem was ich als schwer bepacktes Reisevelo für lange
Strecken gebrauchen kann! Nun werde ich voraussichtlich noch etwas Zeit hier verbringen müssen und hoffe, dass ich in etwa zwei Wochen wieder unterwegs sein kann. Ich werde euch jedenfalls über die kommenden Ereignisse auf dem Laufenden halten und habe im nächsten Bericht hoffentlich mehr Erfreuliches zu erzählen! Bis dahin sende ich euch liebe Grüsse aus dem nach wie vor faszinierenden China. Roman |
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