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8. Reisebericht vom 11.06.06 aus Mashhad, Iran 'Von der Wueste in den Jungle'
Iran, Km 8520
N 36º 16' 05'', E 59º 34' 10''

Mein Aufenthalt im Iran naehert sich dem Ende zu. Nach ueber sechs Wochen in diesem riesigen und von mir sehr geschaetztem Land freue ich mich nun auf einen Wechsel, denn trotz seiner Vielfalt wirkt das Land und seine Leute mit der Zeit etwas gleichfoermig. Angefangen vom Essen (ziemlich beschraenkte Auswahl) ueber die ueblichen Unterhaltungen (woher, wohin, wie lange...) bis hin zu anderen Freizeitbeschaeftigungen (Tee trinken, Picknik, Tee trinken...) mangelt es mir etwas an Abwechslung. Nicht dass ich mich ueber Langeweile beklagen will, wirklich nicht, doch so langsam habe ich ein bisschen genug.

Dabei ist in den vergangenen Wochen wieder einiges gelaufen.
Da ich in Teheran mit der Erledigung von weiteren Visaformalitaeten schnell voran kam, goennte ich mir schliesslich einen Ausflug mit dem Bus in die historischen Staedte Esfahan und Yazd im Innern des Landes. Ein bisschen 'Ferien' und Abstand vom Velofahreralltag konnten nicht schaden, und zudem zaehlen diese Orte zu den groesseren Seheswuerdigkeiten des Irans.

Esfahan ist beruehmt einerseits fuer seine vielen alten Bruecken (es gibt hier einen richtigen Fluss, eine grosse Seltenheit in diesem Land!) und besonders fuer den Imam Khomeini Spuare, den zweitgroessten Platz der Welt. Dieser Áüber fuenfhundert Meter lange Platz ist gesaeumt von zweistoeckigen Arkadengaengen, die auf je einer Seite von zwei Moscheen, dem Palast des Shahs und dem Eingang zu einem uralten Basar unterbrochen sind. Frueher diente der Platz unter Anderem als koenigliches Polofeld, dessen originale Torpfosten aus Marmor heute noch stehen. Die Imam Moschee auf einer Stirnseite soll eine der Groessten und Praechtigsten im persischen Raum sein, ein wirklich eindrueckliches Bauwerk. Gegenueber fuehrt ein mit Gemaelden geschmuecktes Tor in das Innere des Basars, der zu einem grossen Teil noch von alten Kuppeln aus einfachen Lehmziegeln gedeckt ist. In den verzweigten Seitengaengen befinden sich zahlreiche winzige Werkstaetten, wo noch in traditioneller Art Gewuerze gemahlen, Wolle gefaerbt und Teppiche geknuepft werden. An solchen Orten fuehle ich mich manchmal um Jahrhunderte zurueck versetzt in die Zeit Marco Polos und der Seidenstrasse, deren Karawanen ebenfalls ueber diesen Platz gezogen sind. Esfahan gilt heute noch als Zentrum der persischen Handwerkskunst wie Miniaturmalerei, Teppiche knuepfen, der Herstellung von Kupfergeschirr und Keramik, usw.

Yazd ist im Gegensatz zum lebendigen und geschaeftigen Treiben in Esfahan eine stille Oase am Rande der Kavir Wueste. Der Ort ruehmt sich, eine der beiden aeltesten noch besiedelten Staedte weltweit zu sein. Der weitlaeufige alte Teil der Stadt ist ein verworrenes Labyrinth aus engen Gassen und manchmal sogar Tunnels aus einfachen, aber in diesem trockenen Klima sehr bestÁändigen Lehmmauern, von denen die wuerfelfoermigen Haeuser umgeben sind. Zum besonderen Bild tragen die zahlreichen von den Daechern aufragenden Windtuerme bei, die jeden noch so leichten Windhauch einfangen und die kuehlere Luft ins Innere des Hauses leiten sollen, eine jahrtausende alte Klimaanlage die offenbar ganz gut funktioniert.

So viel zu den Sehenswuerdigkeiten...
Jedenfalls genoss ich die Abwechslung und schaetzte es auch sehr, wieder einmal ein paar andere Travellers und auch Veloreisende zu treffen.
Frisch ausgeruht schwang ich mich anschliessend wieder auf mein bereits vermisstes Zweirad und liess den uebermaessigen Verkehr und die weithin sichtbare Smogkuppel Teherans hinter mir. Die Strasse fuehrte bald in das Albruz Gebirge noerdlich der Stadt hinein, und liess mich von den eben angelegten Energiereserven zehren. Nach der Ueberquerung des hoechsten Punktes oeffnete sich das steile Tal ploetzlich und gab den Blick auf Damovand, den hoechsten Berg Irans und ebenfalls wieder ein laegst erloschener Vulkankrater frei. Ich zeltete an einer Stelle mit praechtigen Ausblicken auf den Berg und freute mich schon auf die bevorstehende Abfahrt, die mit rekordmaessigen 2700 Hoehenmetern und fast 100 km Laenge bis hinunter an die Kueste des kaspischen Meeres reichte. Was fuer eine Fahrt!
Nach ein paar wenigen Stunden fand ich mich in einer komplett anderen Landschaft wieder. Um mich herum war es ploetzlich gruen geworden, die steilen Berghaenge waren von dichtem Laubwald bewachsen und unten in der Ebene wurde ueberall Reis angebaut. Auch die Luftfeuchtigkeit war spuerbar hoeher, eigentlich ganz angenehm zur sonst so staubig-trockenen Luft, die sogar den Schweiss auf der Haut augenblicklich verdunsten laesst.
In den ueberschwemmten Reisfeldern und den vielen Teichen wimmelte es nur so von Tieren wie Froeschen, Sumpfschildkroeten und Schlangen, leider fast ebenso viele lagen ueberfahren am Strassenrand. Beim Uebernachten an einem Weiher schloss ich den Reisverschluss meines Zeltes dann besonders vorsichtig... nur gut dass ich erst spaeter erfuhr, dass diese kleinen und sehr eleganten Schlangen ziemlich giftig sind!

Die eigentlich ganz schoene Kueste mit langen Sandstraenden ist leider groesstenteils mit Feriensiedlungen zugebaut. Offenbar verbringen Scharen von Iranern ihren Sommerurlaub hier, doch momentan waren die abfalluebersaeten Sandstraende noch erstaunlich leer. Manchmal schaffte ich es sogar, ein ruhiges Plaetzchen zu finden, wo ich in Ruhe etwas schwimmen und sonnenbaden konnte (sogar nackt... man stelle sich das vor in einem Land, wo die Frauen auch im Wasser den Tschador tragen muessen!).

Weiter oestlich des Meeres wurde die Gegend schnell wieder trocken und eintoenig. Dafuer uebertrifft die Gastfreundschaft der Leute in dieser Region alles bisher erlebte. Oft wurde ich taeglich mehrmals zum Essen und Uebernachten eingeladen, eigentlich bei jedem Halt, egal zu welcher Tageszeit. Leider musste ich den Grossteil dieser Angebote dankend ablehnen, da meine verbleibende Zeit hier etwas knapp geworden ist. Dies besonders, nachdem ich letztes Wochenende mit ein paar Jungs eine mehrtaegige Bergwanderung unternommen habe und damit meine Zeitreserve vor Beginn der Visas fuer die folgenden Laender ziemlich geschrumpft ist.

Jetzt verbringe ich noch zwei oder drei Tage in Mashhad kurz vor der Grenze zu Turkmenistan. Diese Stadt ist nach Mekka der heiligste Ort fuer die Moslems, da hier der heilige Imam Reza beerdigt liegt. Scharen von Leuten aus den umliegenden Laendern pilgern hierher und so tummelt sich in den Gassen des Basars und um das Heiligtum ein buntes Gemisch veschiedenster Nationalitaeten. Ich kann stundenlang irgendwo sitzen und dem bunten Treiben zusehen, am Liebsten im Inneren des Grabmals, einer gewaltigen Anlage mit zahlreichen Moscheen und Innenhoefen. Zu den Gebetszeiten versammeln sich dort tausende von Menschen um die vorgeschriebenen Gebete zu verrichten. Ein eindrueckliches Erlebnis, ihnen dabei zu zusehen!

Viele Gruesse und ein herzliches Salaam Aleikum!
Roman

 

   
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