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6.
Reisebericht vom 26.04.06 aus Tatvan, Südosttürkei 'Durchs wilde
Kurdistan' In Istanbul hatte ich ein paar andere Reisende
kennen gelernt, die ebenfalls mit dem Velo in die gleiche Richtung
unterwegs sind. Am Tag der Abfahrt trafen wir uns zufällig alle
wieder auf der iranischen Botschaft und entschieden deshalb,
gemeinsam die Stadt zu verlassen. Dies machten wir uns ein bisschen
einfach, indem wir eine Fähre nahmen die uns nicht nur über den
Bosporus, sonder über eine Meeresbucht gleich vollständig zur Stadt
hinaus brachte. Ansonsten hätten wir mindestens einen Tag mit der
Fahrt durch städtisches Gebiet verbracht und darauf hatten wir nicht
besonders Lust. Nach einer knappen Woche erreichten wir Ankara, wo wir ein paar mühsame und anstrengende Tage mit der Erledigung von weiteren Visas verbrachten. Eigentlich hatte ich mir die Visageschiechte für die 'Stans' (Turkmenistan, Usbekistan, Tadjikistan und Kirgistan) für Teheran aufsparen wollen, doch als ich von den Anderen erfuhr wie einfach sie hier zum Teil erhältlich waren, machte ich mich dann doch auch an die Arbeit und habe nun den grösseren Teil schon erledigt. Nach unserem Aufenthalt in der Stadt trennte ich
mich wieder von meinen Begleitern und radelte wieder alleine durch
die nun relativ flache und landwirtschaftlich sehr intensiv genutzte
Gegend, offenbar so was wie die Kornkammer der Türkei. Der
Unterschied zu vorher bestand vor allem darin, dass ich als
Einzelreisender wieder viel häufiger zu Tee und Essen eingeladen
wurde. Kaum wollte ich mich an die Weiterfahrt machen
und hielt bloss noch kurz für einen Imbiss und Kartenstudium der
weiteren Route, als plötzlich meine Freunde auf ihren Fahrrädern
auftauchten. Offenbar waren wir bloss um ein paar wenige Stunden
versetzt die genau gleiche Route gefahren und entschieden, nun
weiterhin zusammen zu bleiben, da wir alle in die gleiche Richtung
wollten. Die Landschaft hier im östlichen Teil des Landes ist wieder sehr hügelig oder eher bergig und wir haben schon zahlreiche Pässe bis etwa 2000 m Höhe überquert. Auf den ausgedehnten Weiden ziehen überall Herden von Schafen, Ziegen und Rindern umher, die meist von ein paar Hirten in Begleitung von grossen Hunden und ein paar Eseln gehütet werden. Auch die Felder werden offenbar grösstenteils von Hand oder mit Hilfe von Tieren bestellt, moderne Traktoren und Maschinen wie im Westen sieht man hier nur noch selten. Die Region macht allgemein einen viel ärmeren Eindruck, dafür hat die Gastfreundlichkeit der Leute nur noch zugenommen und wir müssen immer mehr Einladungen zu Tee ablehnen, um überhaupt noch vorwärts zu kommen. Erst kurz bevor wir den See erreichten, gab es zum ersten Mal seit über einem Monat richtig schlechtes Wetter mit Hagelschauern und anhaltendem Regen für mehr als zwei Tage. Davor hatte es jeweils höchstens mal für ein paar Minuten geregnet und wir hatten schon fast geglaubt, dass wir bis Ende Sommer keinen richtigen Regen mehr erleben würden. Zuvor hatten wir einen ersten Vorgeschmack auf einen richtigen Sandsturm bekommen, als heftiger Wind aus dem Süden enorme Mengen von Staub aus der syrischen Wüste über die Bergketten verfrachtete und alles in einen dichten Dunstschleier hüllte. Das atmen fiel uns besonders während eines langen Aufstiegs schwer und so waren wir über den anschliessenden Regen gar nicht unglücklich, da die Luft nun wieder rein gewaschen wurde. Nun geht es noch ungefähr eine Woche weiter durch die Türkei, erst dem riesigen Van See entlang und dann nordwärts zum Grenzübergang in den Iran. Dann können wir bloss hoffen, dass sich die Situation im Atomstreit nicht weiter verschärft, ansonsten könnte unser Aufenthalt dort möglicherweise unangenehm oder ganz verunmöglicht werden. Doch eigentlich bin ich zuversichtlich, dass sich die beteiligten Staaten noch rechtzeitig besinnen und nicht auf eine Eskalation einlassen werden. ‘Inshallah’ (so Gott will), wie die Muslims dazu sagen würden… Viele Grüsse und bis zum nächsten Bericht
voraussichtlich aus Teheran! |
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