|
|||||
|
02. Reisebericht vom 10.02.06 'Abschied' Immer noch finde ich es schwer zu fassen, dass ich nun endlich unterwegs bin! Viel anders als sonst fühlte es sich letzten Sonntag nicht an, als ich mich aufs Velo setzte und endlich losfuhr. Nur die Emotionen waren diesmal ganz anders. Ich war innerlich noch sehr aufgewühlt vom eben erfolgten Abschied von Familie und Verwandten. Sehr zahlreich waren sie erschienen um sich zu verabschieden und mir ihre Glückwünsche mit auf den Weg zu geben. Auch das Bewusstsein, dass ich meine Eltern und meine Schwestern sehr lange Zeit nicht mehr sehen würde, machte die Sache nicht gerade einfacher. Doch eigentlich hatte ich gar nicht viel Zeit zum Nachdenken. Schliesslich musste ich mich auf das Fahren mit dem ungewohnt schweren Gefährt konzentrieren und zudem war da noch mein Götti, der mich ein Stück weit begleitete. Ich war ganz froh darum, denn so konnte ich mich etwas ablenken und kam auf andere Gedanken. Später als ich alleine unterwegs war, kreisten
die Gedanken um alles Mögliche. In erster Linie aber machte sich
eine riesige Freude breit, dass meine Reise nun endlich begonnen
hatte. Lange hatte ich mich auf diesen Moment gesehnt und darauf hin
gearbeitet. Nun besass ich nur noch mein Velo und die mitgeführte
Ausrüstung, und noch viel wertvoller, massenhaft Zeit und die volle
Freiheit. Unterwegs Am folgenden Tag stieg meine Fahrfreude auch
nicht besonders, denn nun ging es zum ersten Mal so richtig
aufwärts. Vor mir lag der Julierpass und damit etwa 1600 Meter
Höhendifferenz. Schon nach kurzer Zeit geriet ich ausser Atem und
musste eine Pause einlegen, während ich Gedanken wie 'das schaffe
ich niemals!' zu verdrängen versuchte. Am nächsten Tag zeigte sich deutlich, wie nahe
Hochs und Tiefs bei dieser Art des Reisens zusammenliegen können.
Hatte ich tags zuvor schon den Eindruck bekommen, mit der
mitgeführten Last nicht weit zu kommen, hätte ich jetzt vor Freude
laut jubeln können. Dank eines kräftigen Rückenwindes und bei
strahlendem Sonnenschein sauste ich zum Erstaunen der zahlreichen
Wintersportler schon fast schwerelos das Engadin hinunter und
erreichte Zernez in Rekordzeit. Die Fahrt durch das Vintschgau ins Südtirol hinunter war bei dem traumhaften und schon angenehm milden Wetter wiederum der reinste Genuss. Die massigen Berghänge zu beiden Talseiten, schier endlose Obstplantagen und Rebberge sowie zahlreiche sehenswerte Kirchen und Burgen liessen viele Erinnerungen an meine letzte Tour durch diese Gegend vor knapp anderthalb Jahren aufkommen. Eingangs Bozen leuchteten mir schon die Rosengarten- und andere Gipfel der Dolomiten im letzten Abendlicht entgegen, die ich letztes Mal über zahlreiche Pässe durchquert hatte. Ich war froh zu wissen, dass ich an diesem Ort die Gastfreundschaft von Astrid und ihrer Familie in Anspruch nehmen durfte, die ich ebenfalls bei meinem letzten Besuch kennen gelernt hatte. Zudem lege ich heute einen Tag Pause ein, da mir die Beine von den Anstrengungen der vergangenen Tage noch ganz schön schmerzen. Danach geht es dann weiter das Tal hinunter und nach der Durchquerung der Poebene für einen kurzen Abstecher nach Venedig hinunter. Bis zum nächsten Bericht wird es etwas länger dauern, schliesslich will ich ja euer Interesse nicht zu früh erschöpfen..! Bis dahin und liebe Grüsse an alle! |
|||||
|